Jetzt wirklich. Ist schon ein merkwürdiges Gefühl, nach gut zwei Wochen Hafenzeit wieder das Land hinter sich zu lassen. Auch zweimal nacheinander.


Vor allem, nach den Erfahrungen der letzten beiden Seetage, dem vorm Einlaufen in A Coruña und dem mit dem ersten Versuch dort wegzukommen. Da bin ich dann doch ein bisschen nervös, der Atlantik ist eben ein ganz anderes Kaliber als die Ostsee. Deshalb der Entschluss, erstmal nur kleine Schritte zu machen. Aber auch aus der Einsicht heraus, dass es nicht unbedingt vernünftig ist, das Wetter passend zu einem langen Schlag nach Süden abzuwarten, wenn man erstmal gute 20sm nach Westen und noch mal 30sm nach Südwesten muss, bevor man auf den eigentlichen Kurs abbiegen kann. 50sm sind ja keine Kleinigkeit, für den durchschnittlichen Ostseesegler mehr als eine übliche Tagesdistanz. Irgendwie habe ich mir schon angewöhnt, in anderen Maßstäben zu denken. Jetzt wieder zurechtgestutzt ist also der Plan, Camariñas anzulaufen, das liegt etwa 15sm nördlich von Cabo Finisterre. Dafür sollte der Wind gestern (am Sonntag) passen, Wind und Wellen aus Ostnordost nach „Windfinder“. Aber, was wir am Freitag zuviel hatten, hatten wir nun zuwenig. Windstärke etwa 0-1, die Wellen natürlich direkt aus Nord sorgten wieder für eine elende Geigerei. Irgendwo mitten auf dem Atlantik würde ich das so hinnehmen (müssen), die Segel runterholen und mich in mein Schicksal ergeben und auf die nächste Brise warten. Aber nicht bei diesem Tagestörn. So mussten wieder einige Liter Diesel fließen, damit wir die Chance hatten, unser Ziel noch bei Tageslicht zu erreichen. Das Ärgerliche daran ist hauptsächlich, dass ich ohne Wind natürlich meinen Windpiloten nicht einsetzen kann und selbst an der Pinne hocken muss. Dabei auch noch voll konzentriert, denn bei diesem Seegang werden 2 Sekunden Unaufmerksamkeit oder das kurzzeitige Verschwinden nach drinnen, um vielleicht nach einem Snack zu stöbern mit heftigstem Hin- und Hergeworfen bestraft, da die Frigga sofort aus dem Ruder läuft. Gegen Abend gab es dann doch noch mal Wind, und ich konnte unter Genua mit achterlichem Wind Rauschefahrt von sechseinhalb Knoten genießen.


Heute, am Montag zeigt sich, dass wir genau das richtige Wetterfenster genutzt haben, es bläst schon den ganzen Tag aus allen Knopflöchern, um die Mittagszeit habe ich auf meinem Deck stehend Windstärke 8 gemessen. Unser Wetter für den nächsten Tagestörn nach Portosin liegt aber grundsätzlich im derzeitigen Trend, wenn nicht morgen, dann eben übermorgen. Hier kann man es auch aushalten. Der Ort ist zwar schnell entdeckt, aber die Landschaft ist schön und die Liegegebühr ist mit 9€ die geringste bisher.

Schade nur, dass es hier keinen Hotspot gibt, also kein Skype, kein Radio Okerwelle zum Frühstück, kein Zeitunglesen online, all der Luxus, der in A Coruña schon zur Gewohnheit geworden war. Immerhin gibt es im Clubheim des Segelvereins zwei Internetplätze mit Münzeinwurf, so dass ich diesen Bericht hier einstellen kann. Hasta luego.












