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Santiago de Compostela

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So weit wie heute war ich schon lange nicht mehr von der Küste weg. Und dann noch in der falschen Richtung.   Aber war schon ok. Die Entscheidung gestern, dass sich Wind und Wellen am Kap Finisterre, also am Ende der Erde, mit Stärke 8 und Höhen von 3,5m lieber ohne mich austoben sollen war zumindest nicht falsch. Eigentlich hatte ich nach Portosin im Ria de Muros e Noia fahren wollen, um von dort aus einen Ausflug nach Santiago de Compostela zu machen. Das ist so schön dicht dran. 'Aber warum eigentlich nicht von hier aus' hatte ich gestern einen Geistesblitz. Schnell die Verbindungen recherchiert, siehe da, Züge fahren häufig und sind billig. Von da an hatte sich die Sache mit dem Starkwindsegeln erledigt. Hatte ich ja übrigens schon bei meiner Ankunft, reicht erstmal. Ab Freitag wird es ruhiger, weiterhin aus Nordost, also erst Landausflug, dann Freitag mittag los und gleich durch bis Porto. Mittags deshalb, weil ich für die rund 200 sm mit etwa 2 Tagen Fahrt rechne und bei einer kalkulierten Ankunft um die Mittagszeit selbst mit Abweichungen + oder - mehrerer Stunden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit tagsüber einlaufen. Finde ich besser, obwohl eine Nachtansteuerung ja auch ihren Reiz hat, s. z. B. Brest.

Die Zugfahrt verlief unspektakulär, die Landschaft, die draußen vorbeifuhr sah im Großen und Ganzen so aus wie zuhause. Nicht überwältigend schön, nicht hässlich, irgendwie vertraut. Hätte auch die Heide sein können. Nuancen nur, die den Unterschied ausmachen. Wenige fremdartige Bäume, vereinzelte Stilelemente an den Gebäuden. Mensch, wie oft bin ich Zug gefahren in den Monaten vor meiner Abreise. Jetzt hier, alles ganz ähnlich, sorgt für ein leichtes Gefühlschaos.

Nach 40 min Fahrt für 4,60€ komme ich in Santiago an und finde mich unvermittelt auf dem hässlichsten Bahnhofsvorplatz wieder, den ich seit langem (oder je?) gesehen habe. Egal, die Altstadt ist das Ziel. Es gibt im Grunde zwei Zentren, die Altstadt, Ziel aller Pilger und die neue City, teilweise mit neuen Bauten von Architekten von internationalem Prestige, wie Norman Foster, Álvaro Siza oder Peter Eisenmann. Wie gesagt entschied ich mich dafür, mich auf die Altstadt zu beschränken, auch, wenn ich mein Fahrrad dabei hatte. Zuerst steuerte ich die berühmten Markthallen an, den Mercado de Abastos. Hier findet man in acht gemauerten Basiliken die kulinarischen Spezialitäten der Region. Die Hallen wurden 1941 errichtet, nachdem vier Jahre zuvor an dieser Stelle der Stadtmarkt abgerissen worden war.

Die Gassen waren so voll von Touristen, dass ich mich schon fragte, ob hier wirklich der Pabst im Kettenhemd boxt. Ich beklage mich damit nicht, schließlich gehörte ich ja dazu, aber es war nicht leicht, die nachfolgenden relativ menschenleeren Fotos aufzunehmen.

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Der Praza da Quintana, oberhalb der Treppe Quintana de los vivos (Quintana der Lebenden) unterhalb der Treppe Quintana de los muertos (Quintana der Toten):

Natürlich war die Kathedrale ein Highlight des Rundgangs, außen wie innen imposant. Im 11. Jahrhundert romanisch begonnen, sind heute in Folge der zahlreichen Erweiterungen verschiedene Baustile erkennbar. Während die Kreuzgänge im Innern gotisch sind, stellen die Westfassade sowie der Hauptaltar Prunkstücke des spanischen Barocks dar.

Obwohl heute Donnerstag und meines Wissens nach kein Feiertag war, wurde gerade ein Hochamt zelebriert, an dessen Ende der berühmte Botafumeiro durch das Querschiff geschwenkt wurde. Es handelt sich dabei um das mit 1,60m Höhe größte Weihrauchfass der Welt. Es hängt an einem etwa 30m langen Seil und wird nach dem Hochamt von sechs Männern in Bewegung gesetzt und bis hoch unter die Decke geschwungen. Dies zu fotografieren ist mir nicht gelungen, man sieht es hier nur im Ruhezustand während der Messe.

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Von der Kultur wieder zur Natur, morgen heißt es endlich wieder 'Leinen los'

 

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