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Schwarze Tage für die Segelbilanz

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Rund 150 sm unter Motor, rund 33 Std an der Pinne gesessen. Nee, das macht keinen Spaß, da kann das Wetter noch so schön sein. Seit Tagen hatten wir (die Sparrow-Crew, die Lida-Crew und ich) täglich die aktuellen Wetterdaten aus dem Internet gezogen, seit Tagen mit derselben Aussicht: Richtung Madeira abwechselnd Flaute und leichter Wind von vorn. Im Süden der Iberischen Halbinsel gab es schon eher Tendenzen zu Windrichtungen, die zu unseren Reiseplänen passten. Warum also in Cascais die Zeit totschlagen, wenn man mit ein paar Stunden unter Motor die Chance hat, in diese windbegünstigte Zone hineinzufahren. Am Samstag Vormittag gingen also drei Boote aus Niedersachsen in der Bucht vor Cascais Anker auf mit Ziel irgendwo an der Küste der Algarve.

Since a couple of days we (Sparrow, Lida and Frigga) waited for the right wind to bring us from Cascais to Madeira. Now we decided to travel further to South, where the weatherforecasts promised better opportunities.

 

Seit der Biskayaüberquerung für mich wieder die erste Nachtfahrt. Natürlich hatte ich gehofft, dass sich auf diesem langen Schlag irgendwann auch mal ein brauchbarer Luftzug einstellen würde. Wenigstens für ein paar Stunden in der Nacht, schließlich stützte sich dieser Optimismus nicht zuletzt auf den jüngsten Wetterbericht. Aber nix da. Die Segel zu setzen machte zwar durchaus Sinn, das brachte schon einen Gewinn an Vortrieb, jedoch nur als Zugewinn zur Motorfahrt. Die Nacht war lang, mit dem Sonnenaufgang war die Südwestspitze Portugals, Cabo de São Vincente zum Greifen nahe, kurz vor Logos waren die Akkus leer. Meine nämlich, ich konnte einfach nicht mehr. 14:30 war die Frigga in der Marina de Lagos fest, eine gute Stunde später nach der notwendigen Dusche fiel der Skipper in einen komaähnlichen Schlaf bis zum nächsten morgen. Die Sparrow und die Lida waren da schon gute 20 sm weiter in Albufeira. Warum konnten die das und ich nicht? Klare Sache, wenn man einen Autopiloten als Steuermann einteilen kann, ist die Fahrt bei Weitem nicht so anstrengend wie selber an der Pinne zu hocken und sich permanent auf den Kurs zu konzentrieren. Außerdem fährt das Schiff den kürzesten Weg und nicht lauter kleine Schlangenlinien, die man beim Steuern von Hand auf Dauer nicht vermeiden kann. Diese Abweichungen von der Ideallinie summieren sich natürlich bei einer Strecke von 150 sm zu einem spürbaren Umweg und dem entsprechenden Zeitverlust. Übrigens habe ich auch einen Autopiloten, nur leider funktioniert er nicht, irgendwo muss eine Macke in der Steckdose sein, die im Cockpit dafür vorgesehen ist, das Gerät selbst funktioniert angeblich, ich hatte es eingeschickt. Seit Monaten habe ich die Fehlersuche und Reparatur auf meiner Liste, aber immer waren mir andere Dinge wichtiger. Das musste ich nun bitter büßen.

After 28 hours going with the engine against the light wind from South I reached Lagos, where I needed a break urgently. Sparrow and Lida were far away at this moment, already in Albufeira, about 20 nm further East. They both have an electric Autopilot, I don't have, I had to steer all the time by myself. The next day I continued my trip, again without sailing, and 5 hours later I met the other guys in Albufeira. It seems, that we may be lucky starting to sail to Madeira from this position on Thursday.

Von Lagos aus machten wir uns gleich am nächsten Tag daran, zu den anderen aufzuschließen. Diese letzten 20 sm entlang der berühmten Küste der Algarve gingen zwar wieder gegenan, an Segeln war überhaupt nicht zu denken, aber im Gegensatz zur Etappe davor war diese Fahrt die reinste Erholung. Natürlich steuerte ich wieder ungenau, vor allem, weil ich nebenbei in „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ las und mir Mittagessen kochte, aber diesmal kam es mir auf eine halbe Stunde mehr oder weniger nicht an. Außerdem war ich ausgeschlafen und erfrischt und genoss die vorbeiziehende spektakuläre Kulisse.

Kurz vor Sonnenuntergang war in der Marina in Albufeira zu Füßen der bunten Kasperlebuden die Niedersachsenecke wieder komplett. Ja, die Architektur hier verschlägt einem erstmal die Sprache, wenn man in den in einen kleinen Talkessel eingebetteten Hafen einläuft.

Allen möglichen Schnickschnack kann man an der Hafenpromenade in den Läden im Erdgeschoss dieser lustigen Gebäude käuflich erwerben, zum nächsten Supermarkt muss man jedoch über eine Stunde latschen.

Dafür ist die Liegegebühr die günstigste der Algarveküste, man kann eben nicht alles haben.

Die aktuellen Grib-files sagen, dass man ab Donnerstag einigermaßen gut nach Madeira segeln kann. Dann machen wir das doch.

Was Grib-files sind? Am besten selber gucken bei http://www.grib.us/ Dort kann man sich kostenlos ein kleines Programm runterladen (man muss sich registrieren, ist aber halb so wild, die wollen nicht allzu viel von einem wissen), mit dem man dann die Wetterdaten grafisch aufbereitet für jedes beliebige Gebiet unseres Planeten abfragen kann. Dieses kleine aber feine Programm bildet die Hauptquelle unserer Wetterinformationen. Bisher hat’s meistens gestimmt, ich kann’s empfehlen. Wer will, kann also auf diese Weise nachvollziehen, was wir auf unserer Route jeweils wettermäßig vor uns oder um uns haben.

 

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