Starker Südwest mit Regen und Sturmböen sind für Montag angesagt. Die nächste Marina ist in Peniche, nicht weit entfernt, aber ungeeignet, um schlechtes Wetter aus dieser Richtung auszusitzen. In meiner nächsten Standortmeldung wird man erkennen können, wie ungeschützt der Hafen nach Süden hin ist. Zwar könnte man weiter bis Cascais kommen, bevor das Unwetter losgeht, etwa 72 sm von hier aus. Bei Gegenwind bedeutet das allerdings 14 Stunden motoren, wer will sich das schon freiwillig antun. So ist hier in Nazaré eine Art Stau entstanden. Nach und nach trudeln immer mehr Yachten ein, die weiter nach Süden wollen und hier erstmal abwarten, bis das Tief über den Azoren abgezogen ist und uns seine Ausläufer nicht mehr behelligen können.
Because of an expected strong southwest for the next 3 days with gusts of 8 Bft we have a delay in Nazaré. Peniche as the next marina is very uncomfortable with SW swell working in and Cascais is too far for a daytrip, so I'll stay for a while.
Tja, so ist das beim Segeln, man muss es nehmen, wie es kommt und sich damit abfinden, wenn ein Vorhaben durch höhere Mächte gelenkt einen anderen Verlauf nimmt als geplant. Am Freitag war ich noch überzeugt davon, daß wir Sonntag, also heute in Lissabon einlaufen würden. Dieser Segeltag war nach einem grauen Anfang dann wieder einer von denen, die einen glatt vergessen lassen, daß es so etwas wie schlechtes Wetter überhaupt gibt. Ich wiederhole mich, wenn ich erneut ein Loblied auf meinen Windpiloten singe und die Freuden des Segelns vor warmen Passatwinden (wenn auch bisher nur der Portugalpassat). Vorsichtshalber hatte ich in Figueiras noch einmal alle für Diesel vorgesehenen Behälter vollgetankt, diesen Treibstoff durfte ich diesmal bis auf weiteres zum größten Teil behalten. Das Tanken war übrigens ein Abenteuer. Die Tankstelle befindet sich im Fischereihafen gegenüber der Marina. Das deutet schon an, dass man mit einem Sportboot mit bestimmten Schwierigkeiten rechnen muss. Zunächst einmal erwies sich die Empfehlung des Hafenmeisters, bei Hochwasser dort rüber zu fahren nur zum Teil als Segen. Was nützt es mir, wenn ich den hohen Wasserstand nutze, um mit meinem kleinen Boot in halbwegs akzeptabler Höhe an der für die Berufsschifffahrt vorgesehenen groben Betonpier anlegen zu können, wenn ich dann eine Stunde warten muss, weil die Tankstelle in dieser Zeit geschlossen ist?
Before the trip to Nazaré I took fuel at the Pier for the Fisherboats in Figueira da Foz, which was not easy, because the equipement didn´t have the right dimensions for my little Vega.
Egal, irgendwie ging es ja, und da Desmond, mein holländischer Stegnachbar mitgefahren war, weil er die Gelegenheit nutzen wollte, seine Kanister zu füllen, musste ich auch nicht allein dafür sorgen, daß die Frigga keinen Kratzer abbekam. Das größere Problem war der Einfüllstutzen. Man muß sich das etwa so vorstellen, wie das Betanken eines Kleinwagens an einer LKW-Zapfsäule. Zum Glück hatte der Tankwart am Ende der Zapfpistole ein Stück Schlauch angebracht, der etwas dünner war und somit gerade so in die Öffnung eines Kanisters passte. Eine Abschaltautomatik, die vor'm Überlaufen schützt gibt es damit nicht mehr. Nun ja, der Druck, mit dem das Zeug dann herauskommt ist auch ein anderer als gewohnt.

Desmond hat dann darauf verzichtet, seine Kanister auch noch zu füllen...
Am nächsten Morgen war seine rote "Van De Stadt Pioneer", ein bewährtes holländisches 9m-Boot aus den 70ern, bereits unterwegs, als ich um 8:00 aus den Federn gekrochen kam. Das spornte mich natürlich an und so brachte ich Frigga kurz nach halb zehn bei 0 Wind unter bedecktem Himmel endlich auch auf die bleierne See. Die war alles andere als einladend und die Aussicht auf lange Stunden Motorfahrt sorgten für Missmut. Keine zwei Stunden später war das vergessen, s. o. Gegen Mittag kriegte ich unerwarteten Besuch. Dieser kleine Piepmatz war mindestens 3 Seemeilen weit geflogen, um ein Stück mit mir zu segeln.
Starting with 0 Bft I had good sailing-conditiones after 2 hours and had a really nice day. This little bird visited me and sailed with me for a while.

Meine Einladung zum Essen hat er allerdings nicht angenommen. Vielleicht war das Angebot, Brotkrumen, etwas Käse und Wasser, nicht nach seinem Geschmack. Grußlos machte er sich wieder aus dem Staub.
Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir den Hafen von Nazaré, wo wir vom hilfsbereiten Marco empfangen wurden, der mir zuerst anzeigte, wo noch eine freie Box zu finden war und dann beim Anlegen half, bevor er sich wieder den Sardinen in seiner Pfanne zuwandte. Kaum fest nahm uns Captain M F Hadley, der britische Hafenmeister unter seine Fittiche. Allein die Bekanntschaft dieses liebenswerten älteren Herrn zu machen ist das Anlaufen dieses Hafens wert. Egal, ob der Captain Tipps zum Festmachen gibt, über die Wetteraussichten referiert oder vom Fastnetrace erzählt, an dem er mehrfach teilgenommen hat (auch an dem zu trauriger Brühmtheit gelangten Rennen von 1979), man spürt sofort, daß dahinter der ungeheure Erfahrungsschatz eines alten Salzbuckels steckt. Dazu passt seine Yacht (die vorne im Bild mit den Bullaugen) wie die Faust aufs Auge. Es ist ein Nachbau der berühmten "Spray", mit der Joshua Slocum von 1895 bis 1898 als erster Mensch einhand die Welt umsegelte.
Harbourmasters Rebuilt of Joshua Slocums "Spray" in Nazaré

Slocums Buch "Allein um die Welt" (im Original "Sailing Alone Around the World") ist übrigens unbedingt zu empfehlen. Als Hörbuch in Englisch kriegt man es kostenlos hier. < link to an audio-book of Slocums "Sailing Alone Around the World" for free.
Etwa eine Stunde nach uns kam Desmond rein, er war weiter draußen mit etwa 5-6 sm Abstand zur Küste gesegelt, in der Hoffnung, dort besseren Wind zu finden. Tatsächlich hatten wir den Wind in etwa dem halben Abstand zur Küste. Glück gehabt.
Die Wartezeit bietet reichlich Gelegenheit, Arbeiten an Bord zu erledigen... ähh, ich meine, die Gegend zu erkunden. Der Ort selbst ist stark vom Touristenverkehr geprägt. Sowohl der untere Teil mit der Strandpromenade und den Ladenzeilen


als auch der obere Teil (im oberen Bild auf dem Berg erkennbar) mit der sehenswerten barocken Kathedrale und dem fantastischen "scenic overview"

Diese Aussicht kostet entweder 90 Cent für den Schienenaufzug oder eine Menge Schweiß,

Ich hatte mich für den Schweiß entschieden und wurde anschließend mit einer Abfahrt bis hin zu dem ganz hinten rechts erkennbaren Hafen belohnt, die mein Faltrad an seine Stabilitätsgrenzen und mich an die Grenzen meiner Fahrkunst brachten. Nein, durch diese Gasse ging es nicht, aber so steil war es auch

Damit hatte ich das etwa zweistündige Zeitfenster mit halbwegs guter Sicht genutzt, meistens hingen heute die Wolken bis auf Masthöhe.

Und so sieht es aus, wenn ich abends im Cockpit unter'm Vollmond diesen Bericht hier schreibe












