Nachdem der letzte Sonntag auf der Frigga so ereignislos verlief, dass ich schon ein schlechtes Gewissen bekam, war die erste Hälfte dieser Woche Aktivurlaub allererster Güte. Quinta do Lorde besteht aus einer Marina und einer Baustelle. Irgendwann soll sich die Baustelle zu einem idyllischen Bergdorf mit 5-Sterne Hotel, Marktplatz, verschiedenen Leisure- und Wellnesseinrichtungen und Nobelmarina mausern, das zahlungskräftige Touristen auf vielfältige Weise verwöhnen soll. Im Moment gibt es neben der Marina nichts als Gegend. Hier wohnt niemand, hier gibt es keinen Laden, keine Kneipe, nichts. Na gut, ein Restaurant mit Bar direkt am Hafen, in dem der Hund begraben ist. Die Staff-Crew versucht, dieses Manko durch guten Service auszugleichen, und das gelingt ihnen so gut, dass man sich an der Hafenkante mit dem Potemkinschen Dorf (hier sind die Bauten fertiggestellt, stehen aber leer) ganz wohl fühlt. Im Preis inbegriffen ist z. B. ein Shuttle-Service zum 10 km entfernten Supermarkt in Machico oder das Organisieren von Leihwagen direkt an den Steg. Beides haben wir, also die Crews der Molimentum, der Lida und der Frigga genutzt. Den Montag Vormittag mussten wir darauf verwenden, unsere Vorräte wieder aufzustocken, ab Mittag begann der sportliche Teil. Da wir uns nun schon mal am östlichsten Zipfel Madeiras für die nächsten Tage eingerichtet hatten, lag es nahe, nebenan den Naturpark Ponta de São Lourenço zu besuchen.

In der Bildmitte ist im Mittelgrund das "Bergdorf" mit der Marina zu erkennen.
Ein paar hundert Meter weiter fanden wir uns dann in einer Hochgebirgslandschaft wieder, die uns zwar konditionell etwas forderte, uns dafür aber mit atemberaubenden Ausblicken auf den Atlantik belohnte. Das Wetter meinte es gut mit uns, mit Schnee war nicht zu rechnen.
In Quinta do Lorde the crew of the Molimentum, Sonja and David, Ruben, skipper of the Lida and I started to explore the grandiose countryside of the eastern edge of Madeira. Cresting the mountains of Ponta de São Lourenço we had breathtaking views on the Atlantic Ocean.


Ein Highlight war, dass wir etwa eine Meile jenseits des Kaps die Sparrow auf ihrem Weg von Porto Santo nach Funchal ausmachen konnten. Leider haben sie uns nicht erkannt, alles Winken hat nichts genützt.
Um die untrainierten Seglerbeine nicht überzustrapazieren, beschlossen wir, am nächsten Tag eher zu flanieren, als weitere Höhenmeter zu sammeln. Mit einem gemieteten Kleinwagen steuerten wir Funchal an und besuchten dort die Sparrow und weitere Attraktionen.

Z. B. liegen im Hafen von Funchal außerdem ein Nachbau der Santa Maria, dem Schiff, mit dem ein gewisser Herr Kolumbus unsere geplante Reise schon vor über 500 Jahren vorweggenommen hat und die Vagrant, die zum Restaurant umgebaute Ex Beatles Yacht.
Uns interessierten jedoch mehr die Toboggan-Schlitten, mit denen man von Monte aus zwei Kilometer eine steile asphaltierte Straße hinunter bis an den oberen Stadtrand von Funchal rutschen kann. Diese Korbschlitten verfügen weder über eine Steuerung, noch über eine Bremse. Das Steuern und Bremsen übernehmen je zwei in eine weiße Tracht gekleidete Schlittenlenker.



Natürlich kamen wir auch an den kulinarischen Spezialitäten nicht vorbei, wir verkosteten Madeira-Wein

und aßen abends Degenfischfilet mit gerösteter Banane. Sehr lecker, bis auf die Kartoffeln.

Am nächsten Morgen schafften wir es tatsächlich, um 6 Uhr loszufahren, um bei Sonnenaufgang auf dem 1818 m hohen Pico do Arieiro nicht nur zu stehen, sondern auch gepflegt zu frühstücken. Der Arieiro ist zwar nur der dritthöchste Berg Madeiras, dafür ist er mit dem Auto zu erreichen. Bevor jetzt die ersten Buuuh-Rufe kommen füge ich noch schnell an, dass dies nur der Frühstücksort und Ausgangspunkt für unsere Wanderung zum höchsten Gipfel Madeiras, dem Pico Ruivo (1861 m) sein sollte.
Um halb acht waren wir oben, es war recht kühl, höchste Zeit für Kaffee
Today we had our breakfast over the clouds. At 7:30 am we enjoyed the sunrise at Pico do Arieiro. After that we hiked to Pico Ruivo, which is an exhausting walk of two and a half hours one way. But it is worth every drop of sweat, the views are fabulous.

Frühstück über den Wolken mit spektakulärer Aussicht, das war schon ein erhebendes Gefühl.
Die Wanderung zum höheren Gipfel war technisch nicht sehr anspruchsvoll, alle Pfade waren gut ausgebaut, aber...

unglaublich, wie weit knapp sechs Kilometer sein können.


Schließlich war es irgendwann geschafft, jetzt mussten wir nur noch dieselbe Strecke wieder zurück.
Ich glaube, wir haben hin und zurück jeweils etwa zweieinhalb Stunden gebraucht. Die hatten es in sich, aber es hat sich absolut gelohnt.
Auf dem Rückweg kam uns dieses nette Picknickplätzchen gelegen, um die Reste unseres Frühstücksbuffets als verspätetes Mittagessen zu uns zu nehmen.

Morgen werden wir mal schauen, was der westliche Teil der Insel so zu bieten hat.
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