Nun ist die Frigga endgültig in der Welt des Blauwassersegelns angekommen. 430 sm unter Segeln bei optimalem Wind.
Hört sich zunächst toll an, ist leider jedoch im Detail betrachtet mit einem dicken „Aber!“ versehen. Am Freitag um 16:00 verließen die Lida und die Frigga gemeinsam die Marina Albufeiras, Kurs 230° Richtung Porto Santo
Last Friday at 4:00 pm "Lida" and "Frigga" left Albufeira together with course 230°, Destination was Porto Santo.



Die Nacht brachte zwar moderates Wetter mit sich, der unstete Wind aus Nordwest hielt mich jedoch mit permanenten Anpassungsanforderungen der Segelstellungen, -größe und des Windpiloten bis zum Morgengrauen auf Trab. Als wir aus der Abdeckung des Cabo de São Vincente herauskamen, musste das Groß zuerst mit einem, bald darauf dem zweiten Reff reduziert und später die Genua zur Hälfte eingerollt werden. Damit liefen wir immer noch fünfeinhalb Knoten. Grundsätzlich sehr erfreulich, die seitlich aus NW anlaufenden Wellen trübten allerdings den Genuss. Dieses Hin- und Herrollen ist einfach auf Dauer zermürbend. Schlimm wurde es, als ich zu fortgeschrittener Nachtstunde das Groß runter nahm; der Wind hatte gedreht, fiel jetzt achterlicher ein und hatte weiter zugelegt. Die Arbeit am schwankenden Mast kann man noch gut hinnehmen, dauert ja nicht so lange. Aber danach… immer noch über fünf Knoten Fahrt nur unter halber Genua raumschots, dazu Wellen rechtwinklig zur Fahrtrichtung. Das bedeutet einfach, dass die kleinsten Verrichtungen, wie Essen zubereiten, Zähne putzen, Schreiben, durch’s Fernglas gucken etc. zum Problem werden, da man selbst und alle Dinge permanent hin und her geworfen werden. Dazu wird das Material strapaziert, Großbaum und Genua schlagen wild und geräuschvoll hin und her, durch das Knarren und Knacken der Inneneinrichtung und das Poltern der in den Schaps herumkollernden Gegenstände zur Kakophonie ergänzt. Da fällt es schwer, mal für eine Viertelstunde die Augen zuzumachen. Na gut, dann schlafe ich, wenn es hell geworden ist, dachte ich mir, dann werde ich müde genug sein. Klappte auch ganz gut, Viertelstunde Schlaf, raus, Rundumblick, Kurs kontrollieren, wieder hinlegen. Um elf Uhr etwa, ich war gerade dabei, in Gedanken mein Brunch zu gestalten, kam mir in den Sinn, vorher mal eben den Wasserstand in der Bilge zu checken. Seit Wochen habe ich das Problem, dass sich dort zunehmend Seewasser ansammelt und ich nicht herausfinden kann, wo es herkommt. Als ich den Teppich auf dem Kajütboden zurückgeschlagen hatte, sah ich sofort, dass es nichts wird mit Brunch. Die Deckel über den beiden Bilgeöffnungen waren kurz vorm Aufschwimmen. Eine Wolke ätzenden Gases, die der Teppich bisher zurückgehalten hatte biss mir in die Nase, dass mir fast die Augen tränten. Logisch, die vordere, etwas höher liegende Bilgenkammer war auch geflutet und hatte die darin befindliche Starterbatterie überschwemmt. Deren Säure hatte sich jetzt munter mit dem Bilgenwasser vermengt. Sch…, nie zuvor ist an Bord der Frigga lauter und inbrünstiger geflucht worden, da bin ich mir sicher. Die Bilgenpumpe im Cockpit schafft ganz gut was weg, ist aber vom Handling her alles andere als praktisch. Man muss den Pumpenkolben senkrecht nach oben ziehen, dabei darauf achten, dass man ihn nicht ganz herauszieht, dann ist der Unterdruck im Schlauch wieder weg und das Teil muss akkurat wieder eingefädelt werden.
At the second day I recognized, that I had a lot of water in my bilge. I couldn't find out, where it came from. After that moment I had to bail the bilge one time every hour. Nevertheless I reached Porto Santo savely, the next days I have to check my boat to find the leak and fix it.


Jetzt das ganze bei den beschriebenen Schiffsbewegungen und ohne sich Batteriesäure in die Augen oder sonst wohin zu spritzen. Na ja, ging irgendwie. Tut mir Leid, dass ich die Säure in den so fantastisch blauen Atlantik verklappen musste, wäre ich mit der Frigga auf Grund gegangen, wäre die Umweltbelastung allerdings um einiges höher gewesen. Was mir dann nachhaltig den Spaß an der weiteren Fahrt verdarb war, dass sich dann herausstellte, dass sich die Bilge so schnell wieder füllte, dass ich fortan stündlich erneut lenzen musste, um nicht irgendwann abzusaufen. Als bräuchte ich eine Beschäftigungstherapie.
Am dritten Tag hörte der hin und her schlagende Großbaum auf, mir auf den Keks zu gehen. RROMMMS!!! machte es dicht hinter mir, als ich mich gerade über die Bilgenpumpe beugte, um im letzten Licht der Dämmerung mal wieder 20 l Meerwasser dorthin zurückzubefördern, woher es gekommen war. Krachend hatte sich der Baum mit dem aufgetuchten Segel auf dem Hardtop abgelegt. Natürlich nicht, ohne dort Spuren zu hinterlassen. Na, wenigstens habe ich ihn nicht auf den Kopf gekriegt, das wär’s noch gewesen. Die gerissene Dirk schleifte im Wasser hinterher. Für die Nichtsegler: Dirk heißt der Tampen zwischen Mastspitze und Baumnock, hat die Aufgabe, den Baum zu halten, wenn das Segel nicht gesetzt ist. Also muss ich demnächst wohl meinem Masttop einen Besuch abstatten, um eine neue Dirk einzufädeln. Dachte ich zuerst. Wie lustig das bei diesem Seegang ist, hatte ich neulich schon mal anklingen lassen.

Nachdem ich einen Augenblick länger nachgedacht hatte, verschob ich diese Aktion auf den nächsten Hafen. Ich konnte davon ausgehen, dass die Windverhältnisse im Prinzip bis Madeira so blieben, d. h. das Großsegel war für den Rest der Strecke entbehrlich. Vor dem Wind laufen wir nur unter Genua 5 Knoten, was will ich mehr.
Die Nächte waren ein ganz besonderes Erlebnis. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, ohne kitschig zu werden. Das Licht des Vollmondes spiegelte sich silbern auf dem Wasser, sorgte für unerwartete Helligkeit und surreal wirkende weiße Wolken. Dazu frühlingshafte Temperaturen und Arien von Maria Callas. Ein Traum. Schade, dass man so etwas nicht fotografieren kann. Jedenfalls nicht ohne festen Untergrund. Kurz vor Erreichen des Archipels, dem ewiger Frühling nachgesagt wird wurde das Wetter schlechter, es fing an zu regnen, dicke schwarze Wolken verzögerten mein "Land in Sicht!".

Im Laufe des Vormittags des fünften Seetages klarte es dann wieder auf, deutlich zeichneten sich die Umrisse der kleineren Madeirainsel jetzt in voller Besonnung vor uns ab.

Mittag hatten wir es dann geschafft, die erste richtige Ozeanetappe lag in unserem Kielwasser.
Kaum hatte ich die Frigga am Steg festgemacht, fragte mich Pete (von der Sparrow), ob ich eine Inselrundfahrt im Bus mitmachen wolle, in einer halben Stunde ginge es los. Klar wollte ich, endlich mal wieder etwas anderes sehen als Wasser.



Außer Frigga, Sparrow und Lida liegt auch noch Gerds "Stromer" im Hafen, auch aus der Region Braunschweig. Die Niedersachsenecke wieder. Und natürlich Marco mit seiner "Bonne Chance" direkt neben mir. Allmählich werden wir zu einer Art großer Familie, vermutlich wird das bis zu den Kanaren auch so bleiben.
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