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Das war knapp

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Donnerstag morgen 05:40 Uhr, wieder mal verschlafen. Draußen ist es eigentlich schon hell, andererseits auch nicht, weil es regnet und die tief hängende Wolkendecke alles in ein schmutziges Grau hüllt.

Ich quäle mich aus der Koje, schiebe die Luke auf, um mich zu vergewissern, dass ich mich gleich guten Gewissens wieder hinlegen kann. Blick nach Backbord: graue, leere Ödnis, soweit das Auge reicht. Die Wellen sind etwas flacher geworden, nur noch 2m, vereinzelte vielleicht etwas mehr. Blick nach Steuerbord... mit einem Schlag bin ich hellwach. In einer Viertelmeile Entfernung steht im Regenschleier ein klotzförmiges Ungetüm in der grau gewellten Landschaft. Links ein grünes Licht, rechts ein rotes, daneben nichts, das heißt kein bisschen von den Seiten zu sehen. 'Oh Gott, der muss mich doch sehen!!!' Panisch starte ich den Motor. Es dauert lange bis er anspringt, natürlich habe ich mir nicht genügend Zeit zum Vorglühen genommen. Endlich. Ich gebe Vollgas voraus, trotzdem wirkt es auf mich wie ein Zeitlupensprint. Keine zwei Minuten später passiert ein riesiger grauer Containerfrachter Friggas Heck in 100m Abstand. Mit zitternden Knien gehe ich nach unten und schalte Rechner und AIS ein, um zu sehen, mit wem ich es zu tun hatte. Das AIS zeigt mir an, dass das Viech mit 16,3kn unterwegs ist, seinen Namen und das Rufzeichen hat er aber nicht einprogrammiert. Vielleicht sollte ich wenigstens nachts Rechner und AIS permanent laufen lassen, ich hatte gedacht, dass es so weit draußen nicht nötig sei. Nach einer Weile ärgere ich mich, dass ich ihn nicht auf UKW angerufen habe, jetzt ist es zu spät, er ist schon hinter dem Horizont verschwunden. Zu gern hätte ich doch erfahren, ob mich überhaupt jemand von der Besatzung wahrgenommen hat.

Wie auch immer, meine beiden Schutzengel (ich habe zwei geschenkt bekommen, einen in Braunschweig, einen in Las Palmas) haben hervorragende Arbeit geleistet. Danke Swantje, danke Marlies.

 

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