Friggas Tanz im Whirlpool
Dienstag, 10. März 2009 um 18:29
Oder: Abenteuer Schleuse Uelzen. Puuh, das war knapp...
Das erste Aha-Erlebnis beim Einfahren in die Schleusenkammer: das ist ja garnicht so ein komfortabler Lift wie in Scharnebeck sondern eine ganz normale Schleuse. Wie die im Elbe-Lübeck-Kanal, nur etwa dreimal so lang und zehnmal so hoch. Bei der Einfahrt kommt mir unwillkürlich 'Der Herr der Ringe' in den Sinn, so stelle ich mir einen Zugang nach Mordor vor.

Zum Glück gibt es Schwimmpoller an den Seiten. Also, Vorspring und Achterspring in Schiffsmitte am Poller steuerbordseitig belegt, zwei Fender dazwischen und los geht's.
Natürlich muss eine so große Schleusenkammer zügig geflutet werden, will man nicht mit einer Aufwärtsfahrt Stunden verbringen. Da geht es ganz anders zur Sache als bei den kleinen Schleusen gestern. Das Wasser scheint plötzlich zu kochen. Was so einen 80m langen 1000t-Kahn kaum aus der Ruhe bringt, kann für unsereinen schon verheerend sein. Whow, wie es die Frigga von der Schleusenwand wegzieht, schnell einen günstigen Moment abgepasst und die Festmacher nachgezogen. Denkste, so schnell kann man gar nicht gucken, wie es das Schiff wieder rumreisst. Unmöglich, das zu halten, wenn der Knoten raus ist. Entweder Leinen ausrauschen lassen oder über Bord gehen. Klar, wofür ich mich entscheide. Frigga führt jetzt völlig entfesselt einen wilden Tanz mitten in der Schleusenkammer auf. Ein Albtraum. Ins Cockpit hechten, Motor anwerfen, Pinne hochklappen und die Notpinne des Windpiloten lösen war eins (für die Nicht-Vega-Segler: das Hilfsruder der Windfahnensteuerung sitzt im Gegensatz zum Hauptruder hinter der Schraube, ist also beim Manövrieren auf engem Raum ungleich wirkungsvoller). Dabei geht dummerweise der Bootshaken baden. 'Wenn mir jetzt noch ein Festmacher in die Schraube gerät, ist das Chaos perfekt' schoss es mir durch den Kopf. Aber manchmal hat man ja Glück im Unglück. Irgendwie gelang es mir, uns wieder an den Schwimmpoller zu manövrieren, die Festmacher diesmal fest zu verknoten und zwei weitere Fender auf dieser Seite auszubringen. Eigentlich hatte ich mit äußerster Kraft die Frigga dicht an die Schleusenwand gezurrt, aber die irre, sich unregelmäßig verstärkende und zwischendurch wieder nachlasende Strömung bringt uns im Handumdrehen auf etwa 1m Abstand, so dass ich nur noch daran denke, welcher der beiden Festmacher wohl zuerst reissen wird. Unglaublich, was die Dinger für einen Reck haben. Den Festmachern und Fendern wird hier das Äußerste abverlangt. Nach einer kleinen Ewigkeit waren wir schließlich oben, und der Meister des Höllenschlundes war tatsächlich so freundlich, mit der Freigabe der Ausfahrt so lange zu warten, bis ich meinen irgendwo treibenden Bootshaken wieder herausgefischt hatte. Nach zwei Kreisen auf engstem Raum war ich so nahe dran, dass ich das Teil bäuchlings an Deck liegend mit der Hand greifen konnte. Mann, bin ich froh, dass ich allein in der Schleusenkammer war. Nicht auszudenken, wenn neben mir noch einer dieser großen Pötte gelegen hätte. In dem Kartenwerk 'Deutsche Binnenwasserstraßen' wird unter 'Verhalten in Schleusen/Schiffshebewerken' davor gewarnt, den Berufsschiffen zu Nahe zu kommen, während diese noch die Maschine laufen haben. Es heisst dort ganz lapidar: wenn Sie in deren Schraubenwasser fahren, wird Ihr Boot von diesem Schraubenwasser und nicht mehr von Ihnen gesteuert. Jetzt habe ich eine gewisse Vorstellung davon.