Wieder ein perfekter Segeltag. Was soll ich sagen, ich wiederhole mich. Halber Wind Stärke 6, die bewährte Kombination aus 2-fach gerefftem Groß und der Fock und schon läuft Frigga mit 5,5 – 6,3kn windfahnengesteuert wie auf Schienen.
So macht das Segeln einfach Spaß. Bisschen blöd ist nur, dass ich nach Norden fahre, was bedeutet, dass mir die Sonne von früh bis spät ins Cockpit brezelt und ich noch keine Idee für ein Bimini habe, das auch während der Fahrt mit dem Großsegel Schatten spendet. Falls jemand einen Vorschlag hat, bin dankbar für jede Anregung.
Eigentlich wollte ich in Bequia und St. Vincent nur jeweils eine Nacht verbringen, um die Strecke bis St. Lucia in angenehme Tagesetappen aufzuteilen. Auf Bequia gefiel es mir aber wieder so gut, dass ich dort noch einen Tag dran hängte. Schließlich, als ich dort in der Admiralty Bay vor Anker im Cockpit mein Abendbrot zu mir nahm, dabei in Gedanken die nächsten sechs Wochen aufteilte, während ich dem regen Treiben in dieser Ankerbucht zuschaute, fand ich plötzlich, dass ich die Sache ruhig ein bisschen relaxter angehen könnte. Irgendwie hatte ich immer das Gefühl gehabt wenig Zeit zu haben, schließlich gibt es noch so viel zu sehen zwischen Bequia und Antigua. Nun hatte ich aber in drei Wochen diese Rundreise im Süden unternommen, hatte Mayreau und die Tobago Cays besucht, Union Island, Carriacou und Grenada, teilweise sehr ausgiebig. Also, cool bleiben, jetzt habe ich doppelt soviel Zeit für ein ähnliches Programm. Mit dem Gedanken an die nahe Heimreise im Hinterkopf fange ich allmählich an entspannter zu werden, das zu genießen was ich im Augenblick habe. Folgerichtig habe ich dann auch noch etwas Sightseeing auf St. Vincent eingeplant und habe von Bequia aus die Wallilabou Bay angesteuert. Das Besondere an dieser Bucht ist, dass hier Leinwandheld Capt. Jack Sparrow sein Unwesen getrieben hat. Hier war der Hauptdrehort von "Fluch der Karibik". Viele der Kulissen für diesen Film sind noch vorhanden, man kann sich gut in die entsprechenden Szenen hineinversetzen.


Frigga in the Wallilabou Bay, the film location of the movie "Pirates of the Caribbean"
....
Das Tolle daran ist, dass ich alle drei Teile des Films auf der Festplatte meines Notebooks habe. Sich diese abends im Cockpit am Originalschauplatz unter'm Sternenhimmel reinzuziehen ist ohne Frage ein cineastisches Highlight.


Zufällig lag hier am Tag meiner Ankunft ein Schiff vor Anker, das dieses Bild eines historischen Karibikhafens perfekt abrundete. Ein polnisch / tschechischer Nachbau der "Victoria", des einzigen Schiffes der Flotte Ferdinand Magellans, das im 16. Jahrhundert die erste Weltumsegelung vollendete.
My neighbour in this anchorage was the "Victoria", a rebuilt of the ship of Ferdinand Magellan, which succeeded with the first circumnavigate in the 16th century.


Leider sprachen die Stammmitglieder der 11-köpfigen Crew kaum englisch, so erfuhr ich zwar, dass dieses Schiff im Gegensatz zum Original als Zweimaster konzipiert worden war, der vordere Mast jedoch verrottet ist, so dass der hintere Mast nach vorn gestellt wurde und seitdem nach einem geeigneten Baum für den Ersatz gesucht wird. Warum nicht der Viermaster Magellans nachgebaut wurde blieb mir verschlossen, ebenso, warum die "Victoria" zusätzlich den Namen "Golden Hind" des Flaggschiffes von Sir Francis Drake trägt. Wie auch immer, die Crew will auch dieses Schiff um die Welt segeln, die Route steht allerdings nicht fest.
Eigentlich hatte ich Bergwandern wollen, Wallilabou ist ein idealer Ausgangsort, um das Landesinnere zu erkunden. Jedoch, es war mir einfach zu heiß. So beschränkte ich mich auf einen Sonntagsspaziergang, allerdings nicht in eine der zahlreichen Kirchen, wohin wohl die meisten der Einheimischen strebten, wie auch diese drei festlich herausgeputzten Grazien.

Ich besichtigte lieber die umliegende Landschaft, freute mich, am Straßenrand einen Mangobaum mit reifen Früchten zu finden,

erfrischte mich wieder zurück auf der Frigga mit einem Bad in meinem hauseigenen Pool und genoss anschließend beim Kaffee im Cockpit das süße Nichtstun.
Morgen geht es weiter nach St. Lucia, 35sm bis zum ersten Einklarierungshafen, also wieder 7 Stunden Braten in der Sonne und kein Kühlschrank in der Nähe. Echt hart.












