FRIGGA-live

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Überraschungen

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Eine positive, ein wahres Highlight meiner gesamten Reise und eine negative, die mich zutiefst deprimiert. Zunächst die positive, weil es damit anfing.

Es war ein fantastischer Segeltag am letzten Dienstag. Die knapp 35sm aus der Tyrrel Bay auf Carriacou nach St. George’s auf Grenada hatten wir in etwas mehr als sechs Stunden zurückgelegt. Zwar hatte ich in den häufigen Böen etwas zuviel Segelfläche stehen und Frigga legte sich dann jedes Mal ordentlich auf die Backe. Dafür hatten wir auf der Logge fast immer die 6 vorne stehen und es hat einfach Spaß gemacht. Die Ansteuerung der Marina gegen den Wind hat natürlich den Schnitt wieder etwas vermasselt, machte aber nichts, es war noch früh am Nachmittag. Endlich mal wieder ruhig an einem Steg liegen, ohne Umstände an Land können, dazu der Komfort der Einrichtungen, die Marinas eben so bieten. Darauf hatte ich mich nach 9 Wochen auf Ankerplätzen gefreut.

Platz war offensichtlich genug vorhanden, schnell hatte ich mir eine Box ausgesucht und war schon halb drin, als ich plötzlich jemanden rufen hörte: „Hey, Thomas!“ ...Wie? Das konnte nicht sein, hier kennt mich doch keiner, ich musste mich verhört haben. Irgendwo weiter hinten an Land setzte sich ein Typ in meine Richtung in Bewegung, gestikulierte dabei und rief unverständliches Zeug. ‚Okay, wahrscheinlich darf ich hier nicht anlegen, gleich wird er ankommen und mich anweisen, woanders hin zu fahren’ ging es mir durch den Kopf. Also erstmal abwarten mit Festmachen. Der Typ, braungebrannt mit Shorts und Sonnenbrille war bald an meinem Boot angelangt, grinste breit, nahm die Sonnenbrille ab… „Määnsch, das gibt’s doch nicht… Desmond!“ Ich konnte es kaum glauben, aber er war es wirklich. Mit Desmond (und dem Finnen Marco) zusammen war ich die portugiesische Küste bis Cascais entlang gesegelt (s. Nazaré und 3 Männer in See), das war ziemlich genau vor 5 Monaten. Desmond hatte kein Interesse gehabt, Lissabon zu besuchen und war Richtung Marokko weitergefahren, während Marco und ich den Tejo ansteuerten. Als ich Marco dann in Las Palmas wieder traf und wir es uns im Cockpit seiner „Bonne Chance“ bei Käse und Rotwein gut gehen ließen sprachen wir darüber, wo Desmond sich in dieser Zeit wohl herumtriebe.

Das erfuhr ich jetzt natürlich umgehend. Des war von Marokko aus zu den Kanaren gesegelt, hatte sich ein paar Wochen vor mir auf Graciosa umgesehen, war zu den Kapverden weitergesegelt und hatte schon ab Mitte November den Atlantik überquert. Allerdings nach Brasilien, um dann über Französisch Guyana und Surinam die Karibik von Süden anzusteuern. Nun will er seine „Morla“ nach Trinidad bringen, dort für das nächste halbe Jahr an Land stellen und zum Geld verdienen nach Hause fliegen. Er war gerade auf dem Weg zum Ausklarieren, als er mich sah und spontan beschloss, dann noch drei Tage dran zu hängen. Wäre ich eine Minute später gekommen, hätten wir uns verpasst. Nun ja, dieser Abend verging mit einigen Dosen Carib (sehr süffiges Lager Bier aus Trinidad) im Cockpit der „Morla“.

My days in St. George's Grenada are marked by two big surprises. One was very positive, one very negative. The positive was, that I met Desmond by chance when I entered a box in the Marina Port Louis. With Desmond I spent some days sailing together along the portuguese coast 5 month ago and didn't see him again since he left Cascais to sail to Morocco.

Die Marina „Port Louis“ ist, um es mit einem Satz zu sagen, die beste Marina meiner gesamten Reise von Travemünde bis hier her. Sehr gepflegte neue Anlage mit allem Komfort wie solide, großzügig dimensionierte Fingerpontons zum Festmachen, perfekte Duschen, Swimmingpool, attraktives Restaurant/Bar, Minisupermarkt, auf den Stegen Versorgungssäulen mit 220V-Strom, Wasser, Internet u. Kabel-TV, zu akzeptablem Preis.

Desmond hatte ein Klappfahrrad, ich hatte ein Klappfahrrad, das Fahren damit war schon in Nazaré ein großes Thema für uns. So stand der Plan für Mittwoch schnell fest. Eine Radtour zum Grand Etang National Park. Ziel war der Vulkankratersee inmitten dieses Parks. Ein ambitioniertes Unterfangen, schließlich liegt dieser auf rund 580m Höhe und wir starteten ja bei 0m. Zuerst musste allerdings Desmonds Rad etwas restauriert werden.

Der Anstieg bei 32° schon morgens um 9:00 war der Hammer. Die Entfernung beträgt zwar nur etwa 15km, dabei geht es aber meistens mit Steigungen zwischen (geschätzt) 7 und 14% steil nach oben. Ich muss es zugeben, die Hälfte der Strecke haben wir geschoben.

Desmond and I made a bicycle tour to the Grand Etang National Park. That trip was very hard, because our destination was in 1910ft hight and it was pretty hot that day. The uphill grades were very steep, we had to walk and push our bikes half of the way.

Nach zweieinhalb Stunden hatten wir es geschafft.

Das Grand Etang Welcome Center besteht aus vier oder fünf Gebäuden mit einem Informationszentrum, Souveniershop, zwei Restaurants und einem großen Parkplatz. Hier sind die Mona Meerkatzen zuhause. Diese Art ist vor ein paar hundert Jahren mit einem Sklavenschiff per Zufall nach Grenada gebracht und hier angesiedelt worden. Natürlich ist es für sie bequemer, sich auf dem Parkplatz von den Touristen füttern zu lassen, als sich im Regenwald ihre Nahrung selber zu suchen. Diese Tierchen sind ja nicht blöd. Dafür nehmen sie in Kauf, wahrscheinlich mehrere hundert Mal pro Tag von allen Seiten abgelichtet zu werden.

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Der Pfad um den See herum war in Folge des zurzeit vorherrschenden Regenmangels gut begehbar, so genehmigten wir uns zur Entspannung nach den Strapazen der Radtour diesen gut einstündigen Spaziergang durch den Regenwald.

In the Grand Etang National Park live some Mona Monkeys, which were brought to Grenada by ship from Africa some hundred years ago. The main attraction of the park is a lake in a volcanic crater. We walked around on a nice trail through the rainforest.

Die Hamburger, die wir anschließend in dem einen der Restaurants verdrückten waren gut und preisgünstig.

Okay, what’s next? Es war ja erst Mittag und mindestens einen der umliegenden Wasserfälle wollten wir noch besuchen. Wir entschieden uns für die „Seven Sisters Falls“. Dummerweise mussten wir dafür etwa 100 Höhenmeter in die falsche Richtung wieder nach unten. Intuitiv hatte ich aber das Gefühl, dass es sich lohnt, und wir wurden nicht enttäuscht.

Als wir unsere Räder zurücklassen mussten, weil der weitere Pfad nur noch zu Fuß begehbar war, wurden wir praktisch gezwungen, diese in einer der Hütten der Einheimischen unterzustellen. Gegen Entgeld für die Bewachung versteht sich.

Die Belohnung für den mühsamen Abstieg war ein erfrischendes Bad, ein Hochgenuss nach der ganzen Plackerei.

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Klar, dass die Erfrischung nur fünf Minuten anhielt, es ging ja erstmal wieder bergauf, bis wir die Fahrräder auslösen konnten

und weiter, bis wir uns vom Welcome Center aus zu Tal rollen ließen. Auf halbem Wege nach unten stoppten wir an einer Quelle und ließen etwas vom kostbaren Nass auf unseren Rücktrittnaben verzischen. Alles in allem ein herrlicher Tag, den Des mit einer Reispfanne à la Morla krönte.

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Am Tag darauf wir es etwas ruhiger angehen und beschränkten uns auf eine Stadtbesichtigung.

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Die Dame, die gerade die Muskatnüsse verarbeitet habe ich natürlich um Erlaubnis gefragt, bevor ich die Kamera gezückt habe.

Diesmal gab es das Dinner im Cockpit der Frigga, Pasta mit Tunfisch-Zwiebeln-Tomatensauce, dazu das unvermeidliche Carib.

Am nächsten Morgen dann die zweite, diesmal böse Überraschung. Mein Fahrrad war verschwunden. So, wie hier zu sehen, hatte ich es abgestellt und mit einem soliden Schloss durch Rahmen und Hinterrad gesichert.

The second surprise was, that today in the morning I realized, that somebody had stolen my bicycle. I'm very sad about that, because meanwhile I can remember so many good experiences, it was just a good companion on my long trip from Germany to here.

Heute morgen war die Stelle leer und ich kann es drehen und wenden wie ich will, ein Klapprad an Bord der Frigga gibt es nicht mehr. Da nützt auch die Aufnahme des Tatbestandes durch die hiesige Security nichts, weg ist weg. Zuerst hatte ich die Hoffnung, dass der Wind es in der Nacht ins Wasser geblasen haben könnte. Natürlich muss es hier ausgerechnet über 10m tief sein, dort unten tauchenderweise zu suchen kann ich vergessen. Wenn das Wasser klar wäre, würde ich mir die 10m zutrauen. Es ist aber trübe, die Sichtweite beträgt keinen Meter, dann schaffe ich es nicht. Also habe ich mir von Berthold, meinem Stegnachbarn aus Essen seinen kleinen Klappanker ausgeliehen und damit den Grund abgesucht, außerdem meine Kamera hinuntergelassen und unten Selbstauslöserfotos gemacht. Da unten ist nur Schlick aber kein Fahrrad. Ich bin echt geknickt deswegen, an dem Ding habe ich sehr gehangen. Es ließ sich einfach gut fahren, ich habe inzwischen viel mit ihm erlebt und hatte mich schon darauf gefreut, irgendwann damit durch Braunschweig zu fahren.

Einer meiner Stegnachbarn hatte heute mehr Glück als ich

Bisher war ich begeistert von Grenada. Die Hauptstadt hat mir gefallen, das Inland hat mir gefallen, die Marina fand ich super. Jetzt hat sich mein Blick darauf verändert. Sehr schade.

 

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