Gegen 17:00 am Mittwoch, nach rund 48 Stunden also hatte der Sturm endlich nachgelassen. Die Wellen hielten sich noch ein paar Stunden bei 5m Höhe, der Wind war aber auf moderate 22kn zurückgegangen.
On Wednesday at about 5:00 pm the storm decreased to a wind of 22 knots. I changed the storm jib to the normal headsail and could go east under a freeing wind. Because of the lost time and the leeway to south during the lying a'hull I cannot reach Flores this weekend as I hoped. It's very frustrating for me to calculate my arriving now for Tuesday next week. A fact, which gets me in bad mood is, that I'm running out of methylated spirits, which I need for my stove. For every cup of coffee I have to think seriously if I can afford it, or if the price is cold canned food for the last two or three days.
I think, I should look for emails, I always get in lasting good mood, when I got letters from people who sail with me in their mind.
Mein Brot hatte ich zwar gebacken, aber ob man es Brot nennen kann, ich weiß nicht... Dieses Zeug, was ich in Las Palmas als Mehl eingekauft hatte muss irgendetwas anderes sein, aber ich bin sicher, ich hatte es nicht aus der Baustoffabteilung geholt. Blöd ist nur, dass mich das Backen einen Großteil des letzten Spiritus gekostet hat und ich zudem keine Alternative mehr zu diesem undefinierbaren Backwerk habe.
Das Beiliegen hat natürlich enorm viel Zeit gekostet, außerdem sind wir in dieser Zeit eine nicht unerhebliche Strecke nach Süden abgedriftet. Hatte ich ursprünglich mit Samstag als Tag der Ankunft auf Flores gerechnet, kann ich jetzt von Dienstag Vormittag ausgehen. Mitverantwortlich für die zeitliche Verschiebung ist auch mein komaartiger Nachtschlaf von Mittwoch auf heute. Als ich etwa um sechs Uhr von der knatternden Fock geweckt wurde, musste ich feststellen, dass wir seit einigen Stunden mit Halbwind nach Nordwesten unterwegs waren. Die Kette zur Arretierung der Seilzüge der Windfahnensteuerung war von der Pinne abgesprungen. Zu allem Überfluss regnete es, alles im Cockpit war klitschnass. Die Zeiten, in denen ich spontan ins Cockpit springen und irgendwas regeln konnte sind aber sowieso schon lange vorbei. Während ich in den ersten zwei Wochen drinnen wie draußen dasselbe an hatte, nämlich nichts, muss ich inzwischen diverse Schichten auftragen bevor es raus geht, ob es regnet oder nicht. Die Cockpitbänke sind fast immer nass, mit überkommender Gischt oder gar Welle ist immer zu rechnen. Selbst bei Sonnenschein gehe ich also nur noch mit Gummistiefeln und der Latzhose meines Segelanzugs raus. Ich überlege mir also dreimal, ob die Lage so stabil ist, dass es sich lohnt, wieder reinzugehen und diese obere Schicht wieder abzupellen. Heute morgen dauerte es bis acht, bis ich der Selbststeuerung halbwegs vertrauen und ans Frühstücken denken konnte.
Mit dem Frühstücken das war dann gar nicht so einfach. Nach reiflicher Überlegung hatte ich mir Spiritus nicht nur für die Zubereitung eines Bechers Kaffee und eines Bechers Tee sondern auch für das Rösten von Brotscheiben in der Pfanne zugestanden (anders sind sie wirklich ungenießbar, beim Kauen hat man das Gefühl Schlamm im Mund zu haben). Das ganze natürlich wieder mit der entsprechenden Akrobatik. In einem Moment der Unkonzentriertheit sorgte ein Brecher von schräg hinten dafür, dass sich der Inhalt beider Becher ziemlich plötzlich miteinander vermischte. Allerdings nicht mehr in irgendwelchen Gefäßen sondern an verschiedenen Stellen. Das brachte mich an den Rand eines Nervenzusammenbruchs, ich konnte mir nicht mehr vorstellen, wie ich auf diese Weise noch weitere fünf Tage überstehen soll. Nach zehn Minuten ging's wieder, ich machte mir aus Trotz Tee und Kaffee neu (und wenn ich die letzten zwei Tage nur kalte Dosengerichte essen muss...) und hörte mir ein Brahms-Konzert an.
Um kurz nach elf kam mir ein Containerschiff entgegen, passierte mich an Backbord in einer Meile Abstand mit 20,7kn Fahrt. 'Wenn der mit dieser Geschwindigkeit auf diesem Kurs weiter fährt, ist er in drei Tagen in Norfolk, Virginia, während ich dann noch 200sm bis Flores vor mir habe' dachte ich finster. Das Hoch, dass sich draußen mit 1019 MB inzwischen wieder eingestellt hat steht in krassem Gegensatz zu meiner Stimmung. Brahms war vielleicht nicht das richtige.
Was mir wirklich hilft und mich nachhaltig in gute Stimmung versetzt sind die aufmunternden emails die ich bekomme. Da ich nicht alle einzeln beantworten kann, an dieser Stelle einmal herzlichen Dank dafür.












