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Helgoland - Holland

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Jetzt gibt es viel zu erzählen, seit Cuxhaven ist doch eine Menge passiert. Da es auf Helgoland keinen Hotspot gab, kam die „Live-Übertragung“ etwas ins Stocken.

Die Fahrt nach Helgoland verlief recht unspektakulär (wogegen nichts einzuwenden ist). In der Elbmündung muss man ein bisschen aufpassen wegen der vielen Sände. Gut, wenn man dann nicht zusätzlich Stress mit dem Wetter hat. Das Fahrwasser erinnert streckenweise an eine Autobahn, aber als kleiner Segler kann man ja gut daneben fahren.

Der Wind passte zunächst einigermaßen, wir konnten das erste Drittel recht gut segeln, wenn auch hoch am Wind. Dann ging es direkt gegenan, wegen Zeitknappheit (wir waren natürlich bei Hochwasser losgefahren, um die Strömung des ablaufenden Wassers zu nutzen, und das war erst am frühen Nachmittag) war also Motoren angesagt. Im Übrigen war der Wind bald auch so gut wie eingeschlafen. Auf dem letzten Drittel, als Helgoland schon in Sicht war, frischte es wieder auf, der gute Dreizylinder Perkins konnte pausieren und Genua und Groß die Arbeit übernehmen. Es wurde spät aber es war schön.

Die Spezialität des Yachthafens auf Helgoland ist, dass die Boote bis zu Dutzendweise im Päckchen liegen müssen. Als wir ankamen, waren die Päckchen im Schnitt sechs Boote groß, das ging noch ganz gut. Wir legten uns als siebter außen dran, natürlich mussten die beiden innersten am nächsten Morgen unbedingt um sechs Uhr ablegen. Was dann los ist, kann sich vielleicht jeder ausmalen.

So lernte ich jedenfalls Robert kennen, meinen unmittelbaren Nachbarn, was sich für mich als Glücksfall herausstellte. Als wir ins Gespräch kamen und Robert von meinen Plänen erfuhr, fragte er sofort, wie ich mit Seekarten ausgerüstet bin. Da mich das etwas in Verlegenheit brachte und ich etwas von ‚noch in Holland besorgen’ oder so ähnlich murmelte, bot er mir spontan an, mir die fehlenden Karten zu leihen. Einfach so, obwohl er mich seit fünf Minuten kannte und Seekarten für jeden Fahrtensegler eine Art Schatz darstellen. Müsste ich alle Karten, die ich für meinen Trip benötige neu kaufen, würde dies den Wert der Frigga bei weitem übersteigen, d. h. ich könnte gleich zu Hause bleiben. Jedenfalls finde ich, dass einem solch ein Verhalten hilft, sich den Glauben an die Menschheit zu bewahren. Ich kann mich an dieser Stelle nur revanchieren, indem ich etwas Werbung für Roberts Buch mache: „Eher rau – Ein Törn rund Großbritannien“ von Robert Kirchner. Empfehlenswert und erhältlich z. B. hier.


Die Wetterlage gab zunächst reichlich Gelegenheit, die Insel zu erkunden.



Weiterer Vorteil war, dass ich Einiges erledigen konnte, was Sicherheit und Komfort auf der weiteren Fahrt erhöht. Z. B. habe ich alle Maststufen an der Außenkante entlang mit einer Leine verbunden, so dass sich kein Fall oder das Achterliek der Genua mehr darin verfangen können.

Außerdem habe ich mich erfolgreich dahintergeklemmt, von der Bundesnetzagentur ein Rufzeichen für die Frigga zu erhalten und konnte damit mein AIS  (Automatisches Identifikationssystem) konfigurieren. D. h. ich habe einen Transponder an Bord, der einerseits die Kennungen der Berufsschiffe (die sind ausrüstungspflichtig) mit den dazugehörigen Positionen und Fahrdaten in mein Navigationssystem überträgt und auf der Seekarte anzeigt, andererseits meine eigene Kennung an diese aussendet. Sinnvoll z. B., wenn man nachts in einem verkehrsreichen Gebiet unterwegs ist. Naja und diverse andere Arbeiten an Bord, die Liste ist immer noch lang.

Zum Glück konnte ich einen der wenigen Liegeplätze des Vereinshafens ergattern, in dem wir ganz normal in einer eigenen Box liegen konnten.

Natürlich sollte dies aber kein Helgolandurlaub werden, die Zeit rennt uns davon. Lange hatte ich überlegt, ob es sinnvoller ist, gegenan zu kreuzen und damit zwei Nächte durchzufahren bis Vlieland oder bis Sonntag zu warten, dann war Südwind angesagt. Alle, die nach Westen wollten warteten auf Sonntag, inklusive der Sparrow-Crew. Ich gebe zu, dass mich das irgendwie beeinflusst hat.

 

Sonntag also war es endlich so weit, etwa um 9:00 schickten sich die Sparrow und die Frigga an, Deutschland den Rücken zu kehren. Das Navigationsprogramm sagte voraus, dass wir bei durchschnittlich 5 kn Fahrt Montag Mittag ankommen würden.




Ca. 135 sm in 27 Stunden. Soweit die Theorie. Die Praxis sah dann ganz anders aus. Entgegen der Wettervorhersage blieb der Wind konstant auf West, also genau auf die Nase und dafür 37 statt 27 Stunden lang. Mit abwechselnd Kreuzen und Motoren erkämpften wir uns Meile um Meile. Zwischendurch regnete es und die Nordsee war ebenso grau, wie der wolkenverhangene Himmel. Wellenhöhe etwa zwei Meter, es reichte jedenfalls, dass man lernte, an welchen Stellen beim Verstauen der Ausrüstung und des Proviants Optimierungsbedarf bestand. Mein AIS funktionierte bestens, trotzdem habe ich mich nicht getraut, mir nachts ein Nickerchen zu gönnen. Wäre aber problemlos gegangen, da muss ich wohl noch lockerer werden.

Die Ansteuerung von Vlieland verlangte noch einmal die volle Konzentration wegen der vielen Untiefen und des Tidenstromes. Zudem forderten die quer verlaufenden Brandungswellen an den Rändern der Flachs noch einmal einiges von Mensch und Material. Einfach, weil man gnadenlos hin und hergeworfen wurde. Jedenfalls die ideale Situation für einen Motorschaden. Unser Perkins lief plötzlich unrund, die Drehzahl sackte immer wieder ab, kam dann wieder hoch, trotzdem hielt er aber durch. Nicht so auf der Sparrow. Der kleine Schreck in der Abendstunde ereilte uns in Form eines entsprechenden Funkspruchs. Zum Glück konnte Pete seinen Ferryman durch Reinigen des Dieselfilters wieder zum Laufen bringen. Ziemlich genau am Montag um 22:00 ignorierten wir beflissentlich das rote Schild, das einem mit dem Hinweis auf Überfüllung die Einfahrt in den Hafen verwehren sollte und fanden irgendwo in dem unglaublichen Gewusel eine Stelle, wo wir uns dazwischenklemmen konnten.

So einen engen und vollgestopften Hafen hatten wir alle noch nicht gesehen Unglaublich, wie relaxed die Holländer auf diesem engen Raum ihre Schiffe bewegen. Egal, ob 44-Fuß-Yacht oder Plattboden-Oldtimer jeder Größe, da wird in Seelenruhe zügig und zentimetergenau manövriert, dazwischen düsen die Kids mit Dingis hin und her, aber von Hektik keine Spur. Das sieht in den Ostseehäfen in der Regel anders aus.


Die Atmosphäre war dementsprechend  von Ferienlaune geprägt, was zunächst ansteckend war, aber nicht lange vorhielt. Auf Vlieland gibt es ein Dorf mit einer hübschen Bummelmeile, Dutzenden von Straßencafés etc. aber sonst nichts. Ein absolut ungeeigneter Ort, um irgendwelche Wartungs- und Reparaturarbeiten am Boot vorzunehmen, wenn man dafür irgendwelche Teile oder auch nur Motoröl benötigt. Dafür war der ganze Spaß a8uch noch recht teuer, z. B. sollte die WLAN-Nutzung für 50 Minuten 5,75 € kosten. Ein Grund, die Aktualisierung meiner Webseite zu verschieben.

Also weiter. Harlingen ist der nächste größere Ort auf dem Festland, in dem es angeblich an nichts mangeln sollte. Der Törn von Helgoland hier herüber hatte uns von dem ursprünglichen Plan, außen herum über die Nordsee Richtung Englischer Kanal zu segeln kuriert, da es absehbar war, dass es in diesem Stil weitergehen würde. Das brachte dann mit höchster Wahrscheinlichkeit keinen Zeitvorteil. Die Alternative ist die Fahrt über das Ijsselmeer in die Staandemastroute und auf dieser bis Vlissingen. Dann ist man schon fast an belgischer Küste und kann dort entscheiden, ob es günstiger ist, an englischer oder französischer Seite den Kanal abzusegeln. So liegt Harlingen auf dem Weg, und nachdem ich auch dem Perkins einen neuen Dieselfilter und frisches Öl verpasst hatte, sollte das klappen.

Um die Strömung der auflaufenden Flut zu nutzen, war es optimal, um zehn Uhr zu starten. Das fanden viele andere auch, und so wurden wir in dem teilweise recht engen Fahrwasser mit einem Verkehr konfrontiert, der einen Einhandsegler schon an seine Grenzen bringen kann. Zumindest, wenn man das Revier nicht kennt, Wind und Strom einen auf achteinhalb Knoten über Grund pushen, es zwischendurch regnet, einfallende Böen die Genua Wasser schaufeln lassen, man dem Schwell vorbeibretternder Katamaranfähren, Containerschiffe und sonstigen Motorbooten ausgesetzt ist, Krabbenkuttern und beim Aufkreuzen dem Gegenverkehr ausweichen muss und die Tiefe jenseits des Tonnenstrichs rapide gegen Null geht. Naja, so wurde es nicht langweilig und die abgeschätzten vier Stunden für die 17sm schienen eher großzügig kalkuliert. Dummerweise gab es eine enge Teilstrecke direkt gegen den Wind, auf der Motoren unumgänglich war. Der Ferryman streikte, als es gerade wieder zu regnen anfing. Frigga lag zu dem Zeitpunkt vorn, aber es gibt ja Funk, und so kehrten wir um und nahmen die Sparrow in Schlepp.

14:30 Uhr waren wir schließlich im Noorderhaven mitten in der Innenstadt von Harlingen fest.

Während ich dies hier schreibe, steckt Pete mit beiden Armen im Öl, mal sehen, wie’s weitergeht.

 

 

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