FRIGGA-live

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Kochkunst

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Letzte Nacht das gleiche Theater wie in der Nacht zuvor. Aber irgendwie war ich besser drauf, habe es sportlich genommen. Klar hätte ich die Sache von vornherein selbst in die Hand nehmen, mich an die Pinne setzen und die nächsten zwölf Stunden stumpf 270° steuern können. Hatte ich aber nicht die geringste Lust zu, lieber habe ich in der Zeit mit Konfigurationsversuchen des Windpiloten und verschiedenen Segelstellungen und -größen rumgedoktert, das ist wesentlich kurzweiliger, auch wenn ich dabei die eine oder andere überraschende Wellendusche in Kauf nehmen musste. Man hört dann plötzlich ein Rauschen, das sich vom üblichen Soundteppich abhebt, sieht aus den Augenwinkeln heraus irgendwo im Dunkeln Gischt aufblitzen, kann sich nur noch ducken und irgendwo festhalten... Naja, das Tüfteln hätte ja auch irgendwann zum Erfolg führen können, hat es aber nicht. Abermals also beigedreht, allerdings erst um 05:15, um bis zum Sonnenaufgang aus der Nacht noch eine Mütze voll Schlaf mitzunehmen. Das ging ganz gut, vermutlich, weil ich wesentlich aufgeräumter war als gestern in dieser Situation. Gegen 09:00 erwachte ich so einigermaßen erfrischt.

Last night I had the same problems than before. The wind was very strong and gusty, the windvane couldn't do its job. The whole night long I tried to get the right configuration for it but didn't succeed. At least I heaved to again and got a few hours of sleep, until sunrise woke me up. Windspeed had decreased and, more important, it was not that gusty anymore, so I got "Frigga" selfsteered on the run. My condition was much better than the day before, I looked at the problems as a sportsman and with the blue sky over all live didn't look too bad.

Erst die Kiste wieder zum Laufen bringen, dann Frühstück war die selbstverständliche Reihenfolge. Der Wind hatte etwas nachgelassen, ob es jetzt 26 oder 27kn waren, keine Ahnung. Entscheidend war jedoch, dass er konstanter wehte, die heftigen Böen blieben aus. So war Teil 1 des Plans schnell erledigt. Was geblieben war, waren die Schiffsbewegungen, die man sich ungefähr vorstellen muss wie in einer Gondel dieser "Breakdancer", die es auf dem Rummel gibt. Natürlich ohne diese Rotationen, aber von der Abfolge der eher unmotivierten und unvorhersehbaren Bewegungsimpulse her.
Wenn mein Windpilot sauber steuert, tut er dies durchaus nicht wie an der Schnur gezogen, sondern weicht mal in diese, mal in jene Richtung auch mal 15° ab und kommt dann wieder auf den Sollkurs zurück. Ich hatte 270° eingestellt, und die Nacht in frischer Erinnerung beäugte ich misstrauisch fast permanent mein GPS, das den Kurs natürlich anzeigt. Wenn der Kurs z. B. deutlich über 290° ging, war ich alarmiert, denn spätestens ab 300° gab's kein Halten mehr, d. h. Frigga luvte noch weiter an, um bei etwa 330° munter auf dem nächsten Wellenkamm zu balancieren bis zum Absturz in das rückseitige Wellental. Das ist nicht so dramatisch, wie es sich anhört, es rummst nur ganz ordentlich und man muss sich selbst im Sitzen richtig gut festhalten. Naja, für die Lebensdauer des Mastes und des Riggs ist es sicher auch nicht förderlich.
Das GPS kann ich je nach Bedarf innen oder außen anbringen. Innen angebracht sitzt es so, daß ich es am Kocher stehend perfekt einsehen kann. Mein Bauch hatte mir suggeriert, daß er zum heutigen Frühstück unbedingt gebackene Bohnen mit einem Butterbrot dazu und einem Becher Kaffee mit Milch haben müsse. Kein unbescheidener Wunsch, eher frugal aber wohlschmeckend und sättigend. Irgendwie erging es mir so, wie dem Bergwanderer, für den am Gipfel angekommen seine Jause bestehend aus einem Apfel, einem Kanten Brot mit einem Stück Dauerwurst und vielleicht ein Stückchen Schokolade zum Nachtisch das Paradies auf Erden bedeutet. Die Zubereitung meiner Mahlzeit ist im Grunde natürlich simpel, kann jeder Idiot. Wenn man jedoch berücksichtigt, daß jedes Teil in jedem Augenblick festgehalten werden muss, macht es Sinn, den Ablauf vorher im Detail zu durchdenken. Zuerst den Wasserkessel auf die Flamme. Der hat einen relativ rauen Boden und bleibt selbst bei heftigen Rollbewegungen von 30° zu jeder Seite einigermaßen unbeeindruckt auf dem inzwischen auch nicht mehr blanken Gitterrost des Kochers stehen. Dumm nur, daß die längliche Abdeckplatte über dem Stauraum hinter dem Herd zum Herd hin keinen Halt mehr hat, wenn ich dessen Abdeckplatte abgenommen habe. D. h. mit dem richtigen Impuls wird sie zum Geschoss, das selbst den Wasserkessel vom Kochgestell abmähen kann. Türlich, mit zwei Klötzchen an die Unterseite dieses Stauraumdeckels geleimt wäre das Problem behoben, ich hab's aber noch nicht gemacht (um ehrlich zu sein ist mir diese Idee auch erst heute morgen gekommen). Nebenbei ein bisschen auf den Deckel achtgeben empfiehlt sich also. Wassr kocht so langsam, Bohnen auf der zweiten Flamme gleichzeitig? Lieber nicht. Vorbereitet sind die Bohnen, stehen in eine Stielkasserolle gefüllt in der Spüle. Der Becher mit einem Löffel Instant-Kaffee ist auch schon irgendwo verkeilt. Jetzt schnell die Butter aus der Kühlbox und schon mal das Brot geschmiert. Wohin damit? Hmm, muss ich im Notfall eine Hand zum Festhalten für freihaben. Kaffe aufgebrüht, Kessel zum Abkühlen auf die kalte Seite des Kochers, Bohnen auf die Flamme. Der Topf steht nicht so rutschfest wie der Kessel, den muss ich eigentlich permanent festhalten. Der Kaffeebecher steht eingeklemmt zwischen Kocher und der einen Seitenwand der Kochermulde. Blick aufs GPS: 276°, Blick nach draußen: der Augenblick scheint günstig, ich kann Bohnentopf und Butterbrot für zwei Sekunden sich selbst überlassen und eben die Milch für den Kaffee aus der Kühlbox angeln. Geht gut, jetzt Kaffeetasse in die linke Hand, um während der Schaukelei einen Schuss Milch in den Becher und nicht daneben zu bekommen. D. h. jetzt ist unweigerlich der Augenblick gekommen, an dem ich beide Hände voll habe und Butterbrot und heiße Bohnen abschussbereit auf der Startrampe stehen. Blick aufs GPS: 296° Reflexartig schicke ich ein gebrülltes BITTEEE!!! zu wem auch immer in den Himmel, und...
Fortsetzung folgt

 

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