Ab Montag 4.1. sind laut Wetterbericht aus der Amateurfunkrunde auf 14313 kHz (täglich 10:00 UTC) die Windbedingungen ideal, um die Kanaren Richtung Kapverden zu verlassen. Ich hatte es aber nicht mehr ausgehalten, musste weg. Vier Wochen im Hafen sind einfach zuviel, das Weiterfahren wird dann von Tag zu Tag schwieriger. Und so startete ich am 30. morgens um acht mit einem dicken Kloß im Hals. Seitdem hangele ich mich bei leichten, sehr unsteten Winden von einem Flautenloch zum nächsten.
The last 5 days the wind alternated between very light and calm. So I only made an average of 65 nm per day. The problem with that is, that without pressure in the sails the swell shakes my boat around heavily, which is very bad for rigging and sails. But nevertheless I feel fine, enjoy the sun and I'm optimistic to get better sailing conditions as of tomorrow.
Der Vorteil ist: ich bin unterwegs, inzwischen hat sich eine gewisse Bordroutine eingestellt, und auch kleine Schritte bringen mich meinem Ziel näher. Der Nachteil ist: es gibt gleich drei Probleme. Bei sich ständig in Stärke und Richtung änderndem Wind abwechselnd mit Flaute kann der Windpilot nicht vernünftig arbeiten, ständig muss ich korrigieren. In Folge des geringen Drucks im Segel sind wir dem Schwell hilflos ausgeliefert. Wenn die Wellen auch nicht hoch sind, so reicht es doch, dass die Genua mit knallenden Schoten im Sekundentakt hin und her schlägt, das Material extrem belastet wird. Ausbaumen der Genua würde die Situation sicher verbessern, leider besitze ich aber keinen Baum, und mein aus Teilen einer Wäschespinne zusammengesetzter Eigenbau ist mir dafür nicht geheuer. Unter Deck fliegt alles hin und her, was nicht niet- und nagelfest ist, mich eingeschlossen. Kochen und ähnliche Verrichtungen geraten zur Akrobatik. Das dritte Problem ist, daß mein Windgenerator bei 0 bis Schwachwind natürlich keinen Strom produziert. Da ich aus dem gleichen Grund, aus dem ich keinen Spi-Baum besitze auch auf Solarzellen verzichte, muss ich mit dem Batteriestrom ziemlich haushalten. Die Kühlbox bleibt eh schon abgeschaltet, Laptop und vor allem die Funkerei (hauptsächlich das Senden von email) müssen möglichst effektiv nach genauester vorheriger Planung betrieben werden.
So, gibt es denn auch Positives zu berichten? Na klar. Ich bin gesund und fit, das Essen schmeckt (vor allem immer das frisch gebackene Brot), und ich freue mich über die Mußestunden bei sommerlichen Temperaturen. Seit ich die Ankerkette in der Bilge verstaut und am Kettenkasten vorn die Durchführungen nach außen versiegelt habe, gibt es auch keine Wassereinbrüche mehr. Das mit dem Wind wird auch noch klappen, ich melde mich wieder, wenn wir in der Passatzone nach Westen abgebogen sind.
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