"Ich hab' doch kein Motorboot, sondern will segeln" war meine standardmäßige Antwort an all jene, die mich fragten, ob max. 40l Diesel an Bord nicht ein bisschen zu wenig seien. Nach meinen jetzigen Erfahrungen wäre ich damit ein bisschen vorsichtiger. Mit 10 l mehr wäre ich jetzt wahrscheinlich in Brest. Freitag vormittag sind wir in Cherbourg los, mit der optimistischen Vorstellung, unter Ausnutzung der Tidenströme nach max. 48 Stunden Brest zu erreichen. Dummerweise gab's den Wind mal wieder von vorne mit etwa 3-4 Windstärken. Das machte es schon schwierig, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Da konnte ich die Strömungsschemata im "Reeds Nautical Almanac" (The Yachtman's Bible) noch so oft studieren, ich kam einfach nicht rechtzeitig dort an, wo ich sein musste, damit die Pfeile in meine Richtung zeigten. Der Wind kam nicht nur von vorn, er war auch zu schwach, bzw. blieb ganz aus. Um nicht zurückgetrieben zu werden muss man dann halt motoren. Irgendwann am Sonntag stellte ich fest, dass ich noch einen Rest von 7l im Tank hatte, alle 4 Reservekanister waren schon verbraucht, also noch 7Std., mit etwas Reserve vielleicht 5 Stunden motoren. Brest noch 70sm entfernt, kein Windhauch über der glatten, langgezogenen Dünung, die vom Atlantik hereinkam und uns ohne Druck in den Segeln elendig hin und herschaukelte, was Material und Nerven strapazierte. Mit etwa 1,7kn wurden wir stetig nach Osten zurückgetrieben, die Strecke, die wir uns in der vergangenen Nacht mühsam erkämpft hatten. Der verzweifelte Blick auf die Karte ergab nur eine vernünftige Option: L'Aber Wrac'h. Das passte zu diesem Zeitpunkt und an dieser Position genau. Noch etwa 3 Stunden zu motoren. Alsdann, warum sollte ich den Ort, den Robert bei seiner Tour rund Großbrittannie besucht und in seinem Buch so positiv beschrieben hatte (s. Helgoland-Bericht) nicht auch anlaufen? Es kam mir jetzt ganz naheliegend vor, nachdem ich nun schon mit seinen Karten navigiert habe, in denen die Eintragungen von seinem Törn vor 5 Jahren teilweise noch zu sehen waren. Kurzum, 52 Stunden nach Cherbourg waren wir im Hafen fest. Es ist wirklich schön hier, schade, dass ich überhaupt keine Zeit habe, mir die Gegend anzuschauen. Ein Umstand, der sich hoffentlich in einer Woche erledigt haben wird, dann sollten wir in Spanien sein und den Stress hinter uns gelassen haben (wir und uns heisst Frigga und ich). Bilder gibt's später wieder, keine Zeit...












