Dunkerque, Boulogne sur mer, Le Havre, Cherbourg sind die bisherigen Stationen. Teuer und stressig.
20€ für 8m, Dusche extra (häufig 2€), Internet 4€ pro Stunde. Also, nix wie weg hier. Allerdings leichter gesagt, als getan. Letzte Nacht, irgendwo zwischen Le Havre und Cherbourg habe ich ein paar Gedanken aufgeschrieben, das Geschreibsel gebe ich hier mal zum besten:
49° 37,302 N, 0° 48,861 W, das ist meine Position um 0:27. Unser Kurs ist 317 Grad, wir halten mit etwa 2 kt Fahrt ungefähr auf das Leuchtfeuer von Pointe de Barflour drauf zu. Das ist fantastisch. Nicht die 2 Knoten, das ist lahmarschig, ist aber in Ordnung, da wir es gerade 4 Stunden vor Hochwasser Dover haben, da kommt der Strom nun mal mit ca. 2,5 Knoten von vorn. Nein, fantastisch ist, dass wir trotzdem diesen Kurs halten können. Stunden- ja, tagelang sind wir gegen den Westwind angegangen. Aufgekreuzt gegen Strom und Wind, weil ich es erzwingen wollte nach Westen zu kommen, nach Cherbourg, wo wir nun hoffentlich morgen… nein, morgen ist es ja schon, ich meine in ein paar Stunden einlaufen werden. Gott, was war das für eine Tortur von Boulogne aus. 36 Stunden mit Ziel Cherbourg, schließlich völlig frustriert, übermüdet und ausgelaugt in Le Havre gelandet. Segeln mit Tide und Strom. Nun ja, ich lerne es eben auf die harte Tour. Aber ich glaube, allmählich werde ich besser. Heute morgen nach zwölf Stunden Schlaf um 10:00 wieder los. Jetzt, vierzehneinhalb Stunden später an dieser Position ist nicht so schlecht. Okay, der Wind hat eindeutig eine Südkomponente bekommen, das ist Glück. Aber Glück gehört auch dazu. Nachdem ich davon auf der letzten Nachtfahrt völlig unberührt geblieben bin. Das war ein einziges brutales Gegenangebolze. Nass, ruppig, nervenaufreibend. Frigga musste heftige Schläge einstecken. Heute dagegen, die See ist gutmütig, die Nacht ist lau. Frigga zieht ihre Bahn vom Windpiloten gesteuert wie an der Schnur gezogen. Ab und zu knallt es auch mal, wenn wir in ein etwas tieferes Wellental fallen, aber kein Vergleich mit vorgestern. Wir fahren auf Steuerbordbug, rechts von uns begleitet uns ein grünlicher Lichtschimmer auf dem Wasser. Die Steuerbordseite der Dreifarbenlaterne im Masttop reflektiert darin. Ich sitze im Niedergang, geschützt vor Wind und fliegender Gischt, halb drinnen, halb draußen. Mein Lieblingsplatz nachts. Da kann ich z. B. Musik hören und gleichzeitig draußen den vollen Überblick behalten. Apropos Musik, auf unserem Rodeoritt bei der letzten Nachtfahrt hatte ich meinen Winamp-Player so eingestellt, dass er per Zufallsgenerator nacheinander aus allen Stücken auswählte, die ich auf der Festplatte habe. Da schmetterte Maria Callas ihre Puccini-Arien in die Nacht, was ich ganz passend fand, dann gab’s Smooth-Jazz aus der Abteilung Barmusik, was eher zur jetzigen Situation passt, naja, total begeistert war ich jedenfalls, als plötzlich Speed King von Deep Purple losdröhnte. Das war der Hammer, besser ging’s nicht. Man stelle sich vor, mit fünf Knoten hoch am Wind über die Wellen krachen, dass das Vorschiff bis zum Kiel aus dem Wasser kommt, um kurz darauf in die nächste Welle komplett einzutauchen und dazu in voller Lautstärke dieser Groove. Dagegen lasse ich jede Achterbahn stehen und übrigens auch jeden Sprung aus den Wolken. Die heutige Nacht verlangt mehr nach melancholischer Musik. Vielleicht Carpenters, oder was Klassisches, Grieg, Sibelius oder so. Inzwischen sind wir auf 1,8 Knoten, aber der Kurs ist noch gut. Solange wir die Richtung beibehalten bin ich zufrieden. Wenn in fünf Stunden die Tide gekentert ist, kriegen wir wieder Schub. Dann geht’s auf 6 oder 7 Knoten und wir holen alles wieder auf. – Ich weiss gar nicht, worüber ich mich mehr freuen soll, über meine Windfahnensteuerung, die es mir ermöglicht, hier zu sitzen, mein AIS, das mir Sicherheit verschafft, oder den Windgenerator, der sich emsig dreht und dabei vor sich hin zwitschert und dabei den Saft für mein Laptop produziert. Oder einfach über die Frigga, die so stoisch mit allen Unbilden fertig wird. Egal, ist alles Klasse. Das mit dem AIS muss ich mal darstellen, kann sich ja sonst keiner vorstellen. Also, ich habe eine extra Antenne auf dem Heckkorb, die meine Kennung sendet und die anderer Schiffe im Umkreis von ca. 15 Seemeilen (1sm = 1,8km) empfängt. Das ganze wird in einer zigarrenkistengroßen Box verarbeitet und per serieller Schnittstelle auf mein Laptop übertragen, das natürlich mit einer entsprechenden Software ausgestattet ist. Wenn ich diese aktiviere, sehe ich ein Symbol der Frigga von konzentrischen Kreisen umgeben. Der Abstand der Kreise zueinander beträgt je nach Zoomfaktor 1 Meile, 5 Meilen usw. Befindet sich ein anderes Schiff in diesem Radius, wird es als ein Pfeilsymbol dargestellt, an dem man sofort erkennen kann, in welche Richtung es fährt. Daneben steht schon mal der Name des Schiffs. Klicke ich auf das Symbol, wird mir z. B. angezeigt, dass es sich bei den Lichtern auf Steuerbordseite um die Fortuna handelt, Rufzeichen A80F7, Distanz 5,205 NM, unterwegs mit 16,7 kn auf Kurs 300 Grad über Grund. Die entsprechenden Daten von mir kriegen die anderen natürlich auch. Finde ich gut, nachts ist es sehr beruhigend, wenn man nicht darauf angewiesen ist, irgendwelche Lichter zu interpretieren. So, jetzt die Position für zwei Uhr in die Karte eintragen (mache ich zu jeder vollen Stunde), dann gibt’s Rote Grütze.
So, es ist dann 14:00 geworden mit dem Einlaufen. Nachdem wir im Morgengrauen nochmal heftig auf die Nase gekriegt haben (musste zwei Reffs ins Groß binden und die Genua halb wegrollen), während der Tag garnicht hell werden wollte, sind wir leider etwa eine Stunde zu spät gekommen, um mit der Strömung von der Ansteuerung aus bis in den Hafen zu kommen. Das hieß nochmal drei Stunden gegenan motoren mit ca. 1,5 kn. Kann man sich sicher vorstellen, wie zermürbend so etwas auf den letzten Metern ist. Morgen soll's aus Südwest wehen, mit 4 ungefähr. Wer sich die Mühe macht, auf eine Karte zu schauen, wird schnell feststellen, was das bedeutet, wenn man von hier aus nach Brest will.
Noch schnell ein Bild hochladen, dann ist die Online-Stunde schon wieder rum. Übrigens habe ich noch nicht rausgekriegt, wie ich in google maps die westliche Länge eingeben kann, bin ja schon über 0° hinaus, und google geht immer von Ost aus. Also, könnte sein, dass das noch nicht aktuell ist













