Zehn Tage Heimaturlaub hatten gutgetan, aber diese Tage hatten mich auch verändert. Als ich am Sonntag danach wieder in den Yachthafen Wedel zurückkam, war ich nicht mehr Segler auf Langfahrt, sondern einer, der einen Urlaubstörn auf der Ostsee vor sich hat. Bis Montag früh wog ich ab, ob ich mir diesen Urlaub noch leisten sollte. Schließlich entschied ich mich dagegen, um zum einen die Frigga nicht noch weiter zu strapazieren und zum anderen fast zwei Wochen früher mit meinem Buch und nebenbei schon mit den notwendigen Renovierungsarbeiten am Boot beginnen zu können. Während ich die Vorbereitungen zum Legen des Mastes anging, wie das Abschlagen der Segel usw., wurde mir schlagartig bewusst, dass ich die Frigga vielleicht nie mehr segeln würde, da ich sie verkaufen werde, sobald ich sie in Braunschweig wieder fit gemacht habe. Puh, das war hart, ich hatte ganz schön zu schlucken. Fast hätte ich meine Entscheidung wieder rückgängig gemacht, zum Glück sprachen aber auch die für eine Fahrt nach Brunsbüttel ungünstigen Hochwasserzeiten dagegen. So landete Frigga am Montag Nachmittag unter dem Mastenkran.
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Dank der freundlichen Hilfe meines Stegnachbarn ging die Sache reibungslos über die Bühne. Nun musste ich nur etliche Stunden damit verbringen, den Mast mittels Tampen sicher zwischen Windgeneratormast und Bugkorb zu fixieren, da ich das alte Holzgestell der früheren Binnenfahrten vor meiner Abreise in Travemünde optimistisch entsorgt hatte. Das zweite Problem war die Vorbereitung auf die Schleusenpassage in Geesthacht. Ich wusste, dass dort die Anlegeseite in der Schleusenkammer vom Schleusenpersonal vorgegeben wird, je nachdem, in welche der beiden Schleusenkammern man eingelassen wird. Mit einem rotierenden Windrad auf der Steuerbordseite bleibt mir allerdings nur die Backbordseite, um an einer hohen Wand festzumachen, wenn ich nicht will, dass der Propeller am Beton zerschreddert wird. Die einfachste Lösung war, den ganzen Apparat vom Mast herunterzunehmen. Während der Motorfahrt würde ich ihn ohnehin nicht benötigen, da die Lichtmaschine genug Strom für Kühlbox und Laptop liefert. Nur, Herunternehmen sagt sich so leicht, das Ding hing in 3m Höhe. An dieser Stelle lernte ich abermals die Kameradschaft und Hilfsbereitschaft der Segler im Wedeler Hafen kennen. Klaus und Hinnerk, mit denen ich während meines Ausprobierens verschiedener Tauwerkskonstruktionen ins Gespräch kam, machten sich ohne viel Federlesens mein Problem zu eigen, als hätten sie darauf gewartet. Nicht genug, dass sie eine Leiter organisierten und selbst Hand anlegten, um den Generator abzuschrauben, am Ende ließ sich Klaus nicht davon abbringen, mir seine nagelneue Ausgabe des Elbe-Atlas zu schenken, mit allen Karten, die ich für die Fahrt bis zum Mittellandkanal benötigen würde. So etwas zu erleben ist beglückend, und ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei den beiden bedanken.
Dienstag Mittag, pünktlich mit Niedrigwasser starteten wir elbaufwärts und es machte Spaß auf dem GPS zu sehen, wie dann mit auflaufender Flut die Geschwindigkeit stetig zunahm. Die Fahrt durch Hamburg war recht kurzweilig,



um dem Barkassen- und Lotsenverkehr auszuweichen nahmen wir den Weg über die Süderelbe,

und um kurz nach vier am Nachmittag war die Schleuse Geesthacht erreicht.

Der dahinterliegende Stadthafen erwies sich als große Enttäuschung. Gammelige, für Frigga viel zu kleine Anlegestege, das Areal menschenleer und verschlossen, so dass ich gar keine Möglichkeit hatte, das Gelände zu verlassen. Beim nächsten kleinen ebenfalls nahe zur Innenstadt gelegenen Yachthafen flussaufwärts wurde ich abgewiesen, obwohl ich einige freie Liegeplätze erkennen konnte: „Hier könnse nich liegen!“ So blieb die Besichtigung Geesthachts also aus, Unterschlupf fand ich dann am Südufer der Elbe im kleinen aber feinen Yachthafen des Geesthachter Ortsteils Tespe.

Hier stimmte einfach alles. Perfekte Steganlagen und sanitäre Einrichtungen, unkomplizierter und freundlicher Umgang mit Gastliegern. Sicher einer der besten Liegeplätze meiner gesamten Reise. Einziger Nachteil dort ist, dass der nächste Supermarkt 2km entfernt ist.
Am nächsten Morgen konnte ich mir viel Zeit lassen, ich hatte mich für den Nachmittag am Schiffshebewerk Scharnebeck mit Susanne, einer Mitseglerin auf der „Pantagruel“, zum Kaffee bei mir an Bord verabredet, und bis dahin brauchte ich nur etwas mehr als zwei Stunden. Vor fünf Monaten lag die Frigga in einer Ankerbucht vor Martinique neben der Pantagruel vor Anker. Dort hatte ich Susanne und die übrige Crew der „Panta“ kennengelernt, danach hatten wir uns auf Dominica wiedergetroffen. Jetzt saßen wir bei Kaffee und Kuchen auf dem Elbe-Seitenkanal im Cockpit der Frigga. Verrückte Welt irgendwie.
Das Schiffshebewerk war wieder ein Erlebnis und auf jeden Fall auch wesentlich stressfreier zu bewältigen als übliche Schleusen, vor allem die in Uelzen, vor der ich nach meinen Erfahrungen im letzten Jahr doch ein wenig Bammel hatte. Es ging jedoch alles glatt, und als ich diese letzte Hürde hinter mir hatte genoss ich die Fahrt durch die mir so vertraute Landschaft. Das Wetter war zwar nicht so toll, aber das störte relativ wenig, ich freute mich, wieder zuhause zu sein.


Im „Yachthafen Heidanger“ in Wedtlenstedt ging schließlich das große Abenteuer endgültig zuende. Frigga liegt dort am Steg wie im vorigen Jahr im Frühling, als ob nichts gewesen wäre.

Naja, nicht ganz, wenn man genauer hinschaut erkennt man die Blessuren, die sie davongetragen hat, und ihre damalige Nachbarin, die „Sparrow“ vermisst man dann auch.
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