FRIGGA-live

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Alder nee...

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So gerne ich auch Alderney noch besucht hätte, es lag ja auf dem Weg, die Zeit hat dazu leider nicht gereicht (diesen Kalauer konnte ich mir nicht verkneifen). Nicht einmal für eine Wanderung oder Radtour auf Guernsey hatte ich die Muße. Die ältere Dame, die mich allem Unbill zum Trotz wohlbehalten bis dorthin gebracht hatte forderte meine volle Aufmerksamkeit. Sie hatte ja auch viel einstecken müssen, kein Wunder, dass das nicht ohne Spuren abgegangen war. Abgesehen von der Trocknungsaktion machte mir am meisten zu schaffen, dass der "Hilfsmotor", ohne den es manchmal tatsächlich nicht geht, trotz einer neuen Starterbatterie, neuen Dieselfiltern und entlüfteter Spritleitungen sich beharrlich weigerte, seine Arbeit aufzunehmen. Offenbar hatte er sich beim Knockdown neulich etwas am Seewasser verschluckt. Da musste ein Profi ran. Zum Glück konnte ich einen auftreiben, als Termin wurde Samstag morgen um acht verabredet. Die Weiterfahrt musste also um einen vollen Tag verschoben werden, in Gewässern mit so extremem Tidenhub wie hier kann man nicht einfach kommen und gehen, wann man will. Hier muss z. B. die Barre, die verhindert, dass das Hafenbecken bei Ebbe trocken fällt, zunächst wieder mit ausreichend Wasser überdeckt sein.

Das war erst um 15:30 der Fall, mehr als genug Zeit bis dahin, dem guten "Perkins" auf die Sprünge zu helfen. Die Aktion gelang binnen einer dreiviertel Stunde und kostete mich 40 britische Pfund. Glimpflich davongekommen.

Bei der Gelegenheit muss ich noch etwas loswerden: Als ich auf Guernsey meine emails abholte, fand ich neben der niederschmetternden Nachricht des Verlages (s. Buchprojekt) zum Ausgleich eine überaus erfreuliche von "PayPal", in der ich aufgefordert wurde, eine Spende von 100$ abzurufen. Da ich neben der Notiz 'kleine Spende für den Transatlantikskipper' und dem Namen des vermutlich treuen Lesers meiner Berichte leider keine email-Adresse oder Anschrift vorfand, kann ich nur auf diesem Wege meiner Freude Ausdruck verleihen. Herzlichen Dank also, die Unterstützung kam genau zur rechten Zeit und hat mich riesig gefreut.

Mit einer für's Segeln sehr ungünstigen Wetterprognose verließen wir diesen gastlichen Ort nun bei nächstbester Gelegenheit. Damit hatten wir fünf Stunden Zeit, um mit der Strömung zwischen Alderney und dem Kap de La Hague hindurch zu schlüpfen. Kämen wir zu spät, hätten wir gegen die Strömung keine Chance. Etwas nervös war ich schon, es waren bis zu dieser heiklen Ecke 25sm zurückzulegen und der Wetterbericht versprach schönstes Hochsommerwetter, ohne Wind.

Es reichte gerade so. Mit der inzwischen völlig zugewachsenen Schraube laufen wir unter Motor maximal 4 Knoten, trotzdem zeigte das GPS zeitweise 9,5kn über Grund an. Diese Strömung ist schon beeindruckend. Auf Höhe von Alderney schien das Wasser zu kochen. Rings um uns brodelte und wirbelte es, der Bug zeigte nach Osten, wir drifteten nach Nordnordost, sehr irritierend. Gegen Mitternacht hatten wir Cherbourg steuerbord querab und hielten diesen Standort immer noch unter Motor gute vier Stunden, ohne auch nur einen Millimeter voran zu kommen. Naja, in diesem Stil ging es weiter fast bis Boulogne. Das Wasser platt wie ein Laken zum Sonnenuntergang

wie zum Sonnenaufgang

zeitweise wie Quecksilber

In der zweiten Nacht überfiel uns ein heftiges Gewitter und ich stand Heidenängste aus, dass ein Blitz in Friggas Mast einschlägt. Aber zum Glück geht manches Übel doch an mir vorbei. Das Gute daran war vor allem, dass nach Durchzug des Gewitters im Morgengrauen der Wind anhielt und ich die letzten 30 Meilen segelnd und sogar ziemlich schnell zurücklegen konnte.

Als wir in Boulogne sur Mer einlaufen, wird mir etwas bewußt, an das ich bisher noch gar nicht gedacht hatte. Seit dem Ablegen in Albufeira in der Algarve letztes Jahr im November ist es das erste Mal, dass ich wieder Festland betrete. Dazwischen liegen genau 30 im Atlantik verstreute Inseln und rund 8.700 Seemeilen.

Boulogne ist auch der erste Hafen, den ich nach einem ersten Besuch auf der Hinfahrt nun zum zweiten Mal anlaufe. Exakt elf Monate ist es her, dass wir hier nur ein paar Meter weiter am nächsten Steg gelegen haben. Ein schwer zu beschreibendes Gefühl. Auf jeden Fall aber ein gutes. Eigentlich hatte ich Frigga hier trockenfallen lassen wollen, um so auf billige Weise das Unterwasserschiff und vor allem die Schraube abschrubben zu können. Aber dazu hätte ich mir einen Platz an einer Kaimauer zuweisen lassen müssen, dazu bin ich heute zu spät gekommen und morgen früh ist Niedrigwasser vor der Öffnungszeit des Büros. Ob ich bis morgen Abend bleibe und dann erst am 16. in Hindeloopen ankomme, werde ich morgen entscheiden. Auf jeden Fall liegt Boulogne auf halber Strecke von Guernsey bis Hindeloopen, und die zweite Hälfte werde ich auch nonstop fahren.

 

 

 

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