FRIGGA-live

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Wendepunkt / Turning Point

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Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, ich werde von Bequia aus Friggas Bug nach Norden richten und die Gefilde des nördlichen Atlantik ansteuern. Neuseeland als mein Ziel habe ich aufgegeben.

 

Es tut mir Leid, dass ich nun alle Leser enttäuschen muss, die sich auf Berichte und Bilder aus dem Pazifik gefreut haben. Es geht aber nicht anders. Manch einer wird schon bei meinen Berichten während der Atlantiküberquerung zwischen den Zeilen gelesen haben, dass dieser lange Schlag über weite Strecken eine einzige Quälerei war. Ich habe dabei nie Angst empfunden und bin nie seekrank geworden. Dennoch fiel es mir meistens schwer das Segeln zu genießen, die Natur zu genießen. Es gab unvergessliche Momente, wie mondhelle Nächte mit weiß leuchtenden Wolken über dem wie Tinte glänzenden Wasser oder Schwärme von fliegenden Fischen, die im Formationsflug die Wellentäler durchkurvten oder von Maria Callas vorgetragene Arien unter grandiosem Sternenhimmel. All das wiegt aber nicht die Einsamkeit, die teilweise physische Tortur und die Ausweglosigkeit auf.

Die Einsamkeit allein hätte ich vermutlich ausgehalten, wobei ich zugeben muss, dass ich mich dahingehend überschätzt habe. Was mich aber wirklich mürbe gemacht hat waren diese ununterbrochenen chaotischen Schiffsbewegungen. Dieses ewige Rollen und Schlingern. Ich merke zum Beispiel deutlich, wie dünnhäutig ich geworden bin, wenn hier am Ankerplatz in Port Elizabeth Dingis mit Außenborder oder einheimische Motorboote dicht an Frigga vorbeibrettern und uns unbekümmert dem nachfolgenden Schwell überlassen. Dazu kam das, was ich mit Ausweglosigkeit meine. Irgendwann kam mir überdeutlich zu Bewusstsein, dass es nur eine Richtung für mich gibt. Keine anderen Optionen für die nächsten drei Wochen. Kein Umkehren, kein Abbiegen, kein Aussteigen, kein ‚och, ich hab jetzt keine Lust mehr…’ wie bei einer Radtour. Ich habe mich nie zuvor in meinem Leben so unfrei gefühlt. Natürlich weiß man das vorher, wenn man sich auf diese Schiene setzt. Theoretisch. Wie es sich praktisch anfühlt kann man vorher nicht abschätzen. Aber das war ja ein wesentliches Motiv für meine Reise. Ich hatte alles, was ich von Moitessier in die Finger kriegen konnte gelesen, Wilfried Erdmanns Einhandabenteuer sowieso. Ich hatte das nicht nur lesen wollen, ich wollte selbst hautnah spüren wie es ist, hab es ja auch versucht in meiner Einleitung auf der Startseite rüberzubringen. Nun weiß ich es. Im Grunde habe ich erreicht, was ich wollte. Was sollte der Pazifik diesbezüglich noch an neuen Erkenntnissen bringen?

Wahrscheinlich nichts, was meine jetzige Sicht auf das einsame Leben in den Weiten eines Ozeans ins Positive drehen würde. Ich sage ‚wahrscheinlich’, nicht ‚sicher’. Aber der vagen Aussicht auf eine spirituelle Erleuchtung, die mich dort doch noch auf irgendeine besondere Ebene der Selbsterkenntnis führen würde steht womöglich die gleiche Quälerei wie erlebt, nur auf das eineinhalbfache ausgedehnt gegenüber. Dafür, finde ich, ist das Leben zu kurz. Und, ehrlich gesagt, nachdem ich nun seit neun Monaten auf der kleinen Frigga lebe, bin ich des extremen Mangels an Komfort überdrüssig. Auch diesbezüglich habe ich mich überschätzt, auch ich werde nicht jünger. Ich sehne mich nach meiner Familie und nach meinen Freunden, genauso sehne ich mich danach, wieder eine Wohnung zu haben, ein richtiges Bett, eine Küche, ein eigenes Klo.

Sehr schade natürlich, dass ich nun meinen Freund Andreas nicht besuchen werde. Aber das heißt ja nur, nicht auf diesem Wege besuchen. Grundsätzlich ist der Besuch nicht gecancelt.

Schon während der zweiten Hälfte der Atlantiküberquerung begann sich die Vorstellung einer Rückreise über die Bermudas und die Azoren und einer Ankunft in heimischen Gewässern Mitte des Jahres in meinem Hirn einzunisten. Jetzt, nach einer Woche Kontemplation in der beschaulichen Idylle Bequias hat sich der Gedanke verfestigt und die Vorstellung, im Juli wieder in die Ostsee zu segeln schmeckt so süß wie nichts anderes. Natürlich habe ich ein mulmiges Gefühl, um nicht zu sagen Schiss, wenn ich an die Etappe Bermudas – Azoren denke. Dafür ist der Mai in der Regel die beste Zeit, also noch ein bisschen hin. Ich hoffe, bis dahin durch Erfahrungsaustausch zu einer gesunden Einschätzung des Risikos zu kommen. Eine Alternative gibt es kaum. Frigga hier zu verkaufen hieße, sie annähernd zu verschenken. Ein Yachttransport würde über achttausend US$ kosten, wäre außerdem extrem unsportlich. Also, die Richtung steht fest: St. Vincent, St. Lucia, Martinique, Dominica, Guadeloupe, Antigua. Es gibt Schlimmeres denke ich.

Was der Verlag dazu sagt, wenn ich meinen Vertrag nicht einhalte? Wenn wir es bis zurück nach Braunschweig geschafft haben werden, ist die Reise eine runde Sache, seglerisch mindestens so anspruchsvoll wie der ursprüngliche Plan, und ich werde darüber schreiben. Ob der Verlag diese Variante akzeptiert muss dann diskutiert werden.

As You might have noticed this report is special. It marks a turning point on my journey. As a consequence of my experiences at the Transatlantic-Trip I decided not to sail the Pacific but sailing back to Europe via Bermudas and Azores in May/June. I just can’t stand the solitariness and the privation anymore. I didn’t get seasick and I wasn’t scared on the ocean, but 9 month being on a small boat without any comfort, which is in extreme motion most of the time weared me down. Considering to sell my boat in the Caribbean I had to see, that I can’t get an acceptable price for it, so I’m gonna sail it home.

 

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